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Rüdersdorf
Rüdersdorf bei Berlin ist eine Gemeinde im Landkreis Märkisch-Oderland
in Brandenburg (Deutschland). Rüdersdorf liegt ca. 30 Kilometer
östlich des Berliner Stadtzentrums. Einwohnerzahl: 15.782
(31. Dez. 2006).
Rüdersdorf entstand als eine Gründung der Zisterzienser
1235 1250 im südöstlichen Barnim, wo das Kloster
Zinna als Besitzer eines großen Landgebietes zehn Dörfer
gründete. In diesem Zeitraum entdeckten der Sage nach Rüdersdorfer
Bauern auf ihrer Feldflur das zutage tretende Kalkgestein. Bereits
zum Bau des Dominikanerklosters in Strausberg 1254 wurde Rüdersdorfer
Kalkstein verwendet. Um 1250 entstand die spätromanische
Feldsteinkirche, die mit ihrem trutzigen Wehrturm der älteste
noch erhaltene Bau aus der Gründungszeit Rüdersdorfs
ist. Urkundlich wurde Rüdersdorf (Roderstorp) erstmalig 1308
1319 erwähnt. Mit der Annahme der Reformation durch
Kurfürst Joachim II. und der Säkularisierung des Klosters
Zinna fiel der gesamte Besitz 1553 an den Landesherrn. In Rüdersdorf
entstand in dieser Zeit ein Jagdschloss, als der Kurfürst
oft seiner Jagdleidenschaft in den heimischen Wäldern frönte.
1571 wurde der ehemalige Klosterbesitz mit der Gründung des
Domänenamtes Rüdersdorf in die kurfürstliche Verwaltung
eingeordnet. Während des Dreißigjährigen Krieges
brannte das von seinen Bewohnern verlassene Dorf völlig nieder.
1652 waren nach Landreiterstatistik drei Kossäten, vier Freileute,
zwei Bergarbeiter, der Bergschreiber und der Pfarrer anwesend.
Um 1710 waren wieder alle neu erbauten Höfe im Dorf besetzt.
1734 wurden 246 Bewohner in Rüdersdorf gezählt.
Auf Rüdersdorfer Grund und Boden entstand 1664 am Kesselsee
eine kurfürstliche Steinbrecheransiedlung namens Alter
Kalckgrundt mit zehn Hausstellen. Einige Jahre später
entstand im Tal des Tasdorfer Mühlenfließes eine weitere
Steinbrecheransiedlung in der Nähe des alten Bergschreiberhauses
namens Neue Berge. Für den Ausbau Berlins und
Cöllns zur Festungsstadt lieferte Rüdersdorf große
Mengen an Kalkstein. Beide Ansiedlungen bildeten den Kern des
später gegründeten Bergmannsdorfes Kalkberge. König
Friedrich II. ließ, um den Bergbau zu fördern, Häuser
für Kolonisten mit der Verpflichtung zur Bergarbeit 1764
1765 erbauen. In Rüdersdorf entstand die Kolonie Hortwinkel
1784 1785 für invalide Soldaten des Königs. Am
12. Mai 1812 brach im Dorf ein Brand aus, der sämtliche Bauernhöfe
erfasste. Eine neue Kolonie zwischen Rüdersdorf und dem Hortwinkel
war um 1845 im Entstehen. Sie trug als Bergarbeitersiedlung den
Namen Neue Welt. 1856 hatte Rüdersdorf 1224 Einwohner,
davon 13 Bauernfamilien, 105 Arbeiter- und 172 Bergarbeiterfamilien.
Im Juli/August 1887 verbrachte Theodor Fontane seinen Urlaub im
Seebad Rüdersdorf am Kalksee. Gasthaus und Seebad waren auf
dem Grundstück der alten Ziegelei Kalksee um 1865 neu erbaut
worden.
Mit dem Bau der Berlin - Frankfurter Eisenbahn 1841 und der Preußischen
Ostbahn 1860, die noch weit ab von Rüdersdorf verkehrten,
wurden erstmals neue Reisewege erschlossen. Seit 1877 verband
die Dampfschifffahrt die Rüdersdorfer Kalkberge mit Erkner.
Neue Straßen, Brücken und Chausseen verbanden Rüdersdorf
mit seinen Nachbarorten. 1900 zählte Rüdersdorf 2 996
Einwohner. Der Tourismus zu den jährlichen Bergfestfeiern
mit Besuch der Kalksteinbrüche und anschließender Sprengung
machten Rüdersdorf immer mehr zum Anziehungspunkt.
1908 wurde Kalkberge Rüdersdorf vom Stummfilm entdeckt.
Zahlreiche Filmgesellschaften nutzten die Rüdersdorfer Kalksteinbrüche,
den Ort und die Seen als Freiluftatelier. Damit verbunden sind
klangvolle Namen von Regisseuren und Filmschauspielern wie Harry
Piel, Ernst Lubitsch, Joe May, Harry Liedtke, Pola Negri, Lil
Dagover, Maria Carmi, Henny Porten, Hilde Sessak, Hans Albers
und Emil Jannings.
Am 31. März 1931 entstand die Großgemeinde Kalkberge
(ab 1934 Rüdersdorf genannt) aus den Landgemeinden Kalkberge,
Rüdersdorf und Tasdorf mit 10 707 Einwohnern. Sie vereinte
in sich sowohl die industriellen Anlagen (Zementfabriken, Kalkwerke
und Kalksteinbrüche) wie auch die ländlichen Gebiete
der drei Gemeinden.
1934 begannen die Arbeiten zum Bau der Reichsautobahn mit dem
Berliner Ring. 1937 wurde der Ostring mit den mächtigen Brückenviadukten
am Talübergang Rüdersdorf eröffnet. Von 1935
1938 erbaute die Preussag Rüdersdorf in der ehemaligen Kiesgrube
der Kalksandsteinfabrik Michel eine Siedlung, bestehend aus 70
Wohnhäusern, mit Namen Bergmannsglück. 1936
wurden hier 50 Bergarbeiterfamilien aus der Niederlausitz angesiedelt.
Am 21. April 1945 wurde Rüdersdorf der Roten Armee übergeben.
Bei Bombenangriffen und Kampfhandlungen im Ort starben 35 Menschen,
darunter mehrere Kinder. Im Zweiten Weltkrieg fielen 305 Soldaten
aus Rüdersdorf. Im Kriegsgefangenenlager Rüdersdorf
sind nach 1945 weitere 750 Menschen verstorben.
In Rüdersdorf wurde in der Nachkriegszeit der größte
baustoffproduzierende Betrieb in der DDR aufgebaut. Die sich in
den folgenden Jahrzehnten ausweitende Zementproduktion ging einher
mit erheblichen Umweltproblemen. 1953 erhielt der Ort durch den
Bau der "Thälmannschule" erstmals eine Gesamtschule
und 1956 ein kulturelles Zentrum mit dem "Martin-Andersen-Nexö-Haus".
In den Jahren 1965 1967 wurden am Kalksee neue medizinische
Einrichtungen für den Ort und Kreis erbaut. Es entstand das
neue Kreiskrankenhaus mit Kinderstation und Poliklinik.
Mit dem Beschluss, 1969 eine fünfte Drehrohrofenstraße
im Zementwerk IV zu erbauen, wurden tief greifende Maßnahmen
in der Struktur des Ortsteils Kalkberge notwendig. 1972 begann
die Teilortsverlagerung im Bereich der Reden-, Garten-, Breitscheid-,
Schulstraße und Straße der Jugend. Sämtliche
Grundstücke wurden geräumt und die Bewohner zogen in
die Neubauwohnungen in der Brückenstraße. Anfang der
80-er Jahre wurden die Wohnhäuser am Seilscheibenpfeiler
und große Teile der Heinitzstraße geräumt und
abgerissen. Der Heinitzsee ehemals ein gefluteter Tagebau
wurde 1975 1976 gesümpft und für den Restabbau
genutzt. Damit war nicht nur der einstige Königssee verschwunden,
sondern auch die historischen Wohngebiete des Bergmannsdorfes
Kalkberge.
In der Wendezeit 1989/1990 und mit der Wiedereinigung Deutschlands
waren auch Politik, Verwaltung und Wirtschaft in Rüdersdorf
erheblichen Veränderungen unterworfen.
Mit der Privatisierung des Kalksteintagebaus und der Zementfabriken
sowie dem Abriss zerschlissener Fabrikgebäude verbesserte
sich die Umweltsituation sehr. Die gravierenden Staubemissionen
in Rüdersdorf wurden bis 1995 erheblich gesenkt.
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