Samariterkirche

Samariterkirche (Bänschstraße)

Samariterkirche - Berlin-Friedrichshain

Samariterstraße 27
10247 Berlin

Die Samariterkirche wurde in den Jahren 1892 bis 1894 nach einem Entwurf des Architekten Gotthilf Ludwig Möckel (1838-1915) auf dem damals noch weitestgehend unbebauten Geländes südlich des Zentralvieh- und Schlachthofs errichtet. Auftraggeber des Baus war der von Kaiser Wilhelm II. initiierte Evangelische Kirchenbauverein. Vereinsziel war es, durch den Bau von Kirchen in Arbeitervierteln „der drohenden Gefahr von Seiten der Sozialdemokratie und des Anarchismus entgegenzutreten“ (Wilhelm II.). Zur Einweihung der Kirche am 22. Oktober 1894 erschien Kaiserin Auguste Viktoria persönlich. Die Kirche steht in der 1895 nach ihr benannten Samariterstraße auf Höhe der Bänschstraße. Die Bänschstraße trug bis 1893 bis 1951 den Namen Mirbachstraße, nach Ernst von Mirbach (1844-1925), der Kaiserin Auguste Victoria im Kirchenbauverein vertrat.

Die im Stil der märkischen Backsteingotik errichtete Kirche bot bei ihrer Eröffnung etwa 1100 Gottesdienstbesuchern Platz, der Kirchturm an der Samariterstraße ist ca. 60 Meter hoch. Das Gebäude steht mit der umgebenden Wohnbebauung unter Denkmalschutz.

In der Zeit des Nationalsozialismus war die Samariterkirche ein Zentrum des Widerstands innerhalb der evangelischen Kirche. Wilhelm Harnisch (1887-1960), seit 1931 Pfarrer der Gemeinde, war Leiter der Pressestelle des Pfarrernotbundes und Gründungsmitglied der Bekennenden Kirche. 1934 wurde er deshalb von der Kirchenleitung beurlaubt, aufgrund seines Rückhalts in der Gemeinde aber bereits 1935 wieder eingesetzt. 1945 legte Harnisch an der Kirche einen Notfriedhof für die Opfer der Kriegshandlungen zum Ende des Zweiten Weltkrieges an. Die Kriegsgräber wurden 1994 nach Hohenschönhausen umgebettet, auf dem Gelände befindet sich heute ein Kinderspielplatz. Nach Kriegende gehörte Harnisch der ersten provisorischen Bezirksverord­netenver­sammlung (BVV) in Friedrichshain an, 1955, nach seiner Pensionierung, zog er in den Westteil der Stadt.

In der Spätphase der DDR erlangte die Samariterkirche überregionale Bekanntheit durch die in der Kirche seit 1979 veranstalteten Blues-Messen. Die Gottesdienste mit Blues-, Punk- und Rockmusik, organisiert von dem Musiker Günter„Holly“ Holwas und dem Gemeindepfarrer Rainer Eppelmann, boten Jugendlichen Platz, die in Opposition zum SED-Regime standen. Die Veranstaltungen, und insbesondere Rainer Eppelmann, standen unter intensiver Beobachtung der kommunistischen Machthaber, in den 1980er Jahren scheiterten zwei Mordanschläge der Stasi auf Eppelmann. 1986 stellte der Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR, zu dem die Samaritergemeinde gehörte, die Blues-Messen auf Druck der Staatsführung ein. Rainer Eppelmann wurde 1990 nach der Wende Minister für Abrüstung und Verteidigung in der letzten DDR-Regierung und ist Vorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Heute wird die Kirche von der Galiläa-Samariter-Kirchengemeinde genutzt. Die Gemeinde gehört zum Evangelischen Kirchenkreis Berlin Stadtmitte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), die eine wiederum eine Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Zusammen mit der Auferstehungs-Kirchengemeinde bildet sie den Pfarrsprengel Friedrichshain-Nord. Die Galiläakirche in der Rigaer Straße, mit deren Gemeinde die Samariter im Jahr 2001 fusionierte, wird nicht mehr als Kirche genutzt. Seit dem 9. November 2008 hat dort das Jugendwiderstandsmuseum seinen Sitz.

 

Weitere Kirche des Gemeindesprengels:

Auferstehungskirche

Homepage der Gemeinde:

Pfarrsprengel Friedrichshain-Nord

Bilder - Images

Samariterkirche - Kirchenschiff

Kirchenschiff der Samariterkirche an der Bänschstraße / Samariterplatz.

Samariterkirche (östliche Bänschstraße)

Ostseite der Samariterkirche (Bänschstraße / Samariterplatz).

Samariterkirche - Kirchturm

Kirchturm der Samariterkirche an der Samariterstraße, Blickrichtung Eldenaer Straße.

Karte - Map