Mühsamstraße - Berlin-Friedrichshain - Xhain.info

Mühsamstraße

Mühsamstraße

10249 Berlin

Friedrichshain

 

Die Mühsamstraße (Postleitzahl 10249) ist eine Straße im Berliner Stadtteil Friedrichshain und damit im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Sie verläuft von der Löewstraße bis zur Eldenaer Straße, Thaerstraße und Ebertystraße. Dabei kreuzt sie die Richard-Sorge-Straße und die Petersburger Straße, der Straßenverlauf östlich der Petersburger ist Teil des Nordkiezes. An der Mühsamstraße liegt der Petersburger Platz. Benannt ist die Straße nach dem Schriftsteller Erich Mühsam.


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Erich Mühsam

Erich Kurt Mühsam (* 6. April 1878 in Berlin; ermordet † 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg) war politischer Aktivist, Anarchist, Publizist und Schriftsteller. Nach einflussreicher politischer und publizistischer Tätigkeit wurde er von den Nationalsozialisten ermordet.

Mühsam wurde in Berlin als Kind jüdischer Eltern geboren und wuchs in Lübeck auf. Er hatte zwei Schwestern und einen Bruder. Der Vater Siegfried Seligman Mühsam war Apotheker und von 1887 bis 1915 Abgeordneter der Lübecker Bürgerschaft. Er und seine Frau Rosalie schickten ihren Sohn Erich auf das humanistische Gymnasium Katharineum zu Lübeck. Am 11. Januar 1896 wurde Erich von dort wegen sozialistischer Umtriebe relegiert. Er hatte Berichte über schulinterne Vorgänge an die sozialdemokratische Zeitung Lübecker Volksbote weitergegeben. Sein Abitur machte er in Parchim (Mecklenburg) und absolvierte dann eine Apothekerlehre in Lübeck. 1901 zog Erich nach Berlin.

Er war zunächst Apotheker, 1902 Redakteur an der anarchistischen Zeitschrift „Der arme Teufel“, 1905 beim Weckruf; Verbindung zum Friedrichshagener Dichterkreis. 1904 bis 1908 „Wanderjahre“ mit Aufenthalten in Zürich, Ascona (Monte Verità), Norditalien, München, Wien, Paris zusammen mit seinem homosexuellen Freund Johannes Nohl. Auf dem Monte Verità befreundete er sich mit dem Siedler Karl Gräser, nach dessen Vorbild er eine "Sammlungsstätte" solcher Menschen errichten wollte, "denen sich gegen Knechtschaft und Vergewaltigung in echtem Grimme der Mensch aufbäumte". Eine solche Gemeinschaft und Herberge für die von der Gesellschaft Geächteten - Landstreicher, Bettler, Huren und Verbrecher - versuchte er dann in der Großstadt München zu schaffen.

Seit 1909 lebte er in München-Schwabing. Hier gründete er die dem Sozialistischen Bund angehörenden Gruppe Tat und Gruppe Anarchist zwecks Agitation des Subproletariats für den Anarchismus. 1910 wurde Mühsam verhaftet, wegen Geheimbündelei angeklagt und schließlich freigesprochen.. Als Zentralfigur der Schwabinger Bohème war er befreundet mit Heinrich Mann, Frank Wedekind, Lion Feuchtwanger, Fanny zu Reventlow und vielen anderen. Seiner Gruppe „Tat“ schlossen sich auch der Schriftsteller Oskar Maria Graf und der Maler Georg Schrimpf an, die ihm nach Ascona zum Monte Verità folgten. Mühsam war Mitarbeiter des Münchner Kabaretts und verschiedener satirischer Zeitschriften wie des Simplicissimus und der Jugend. Von 1911 bis 1919 gab Erich Mühsam in München die Zeitschrift Kain – Zeitschrift für Menschlichkeit heraus, allerdings nicht während des Ersten Weltkrieges. Mühsam schrieb: „In dieser Stunde, wo es um das Schicksal aller geht, gibt es außerdem nichts Wesentliches und nichts, was eine Zeitschrift für Menschlichkeit angehen könnte“: In Kain veröffentlichte er im Januar 1912 den Artikel „Der Humbug der Wahlen“.

Erich Mühsam heiratete 1915 die niederbayerische Bauerntochter Kreszentia Elfinger, genannt Zenzl. Sie starb am 16. März 1962 in Berlin.

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges wurde Mühsam - möglicherweise wegen politischer Betätigung oder Verweigerung des Hilfsdienstes - für sechs Monate in Traunstein inhaftiert. Bei seiner Entlassung Ende Oktober war der Krieg vorüber.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde er 1919 in München Mitglied des Revolutionären Arbeiterrats und befürwortete nach der Abdankung des Königs eine bayerische Räterepublik. Nach der Niederschlagung der Münchner Räterepublik durch Reichswehr und rechtsnationalistische Freikorpsverbände, bei der neben anderen sein Freund Gustav Landauer ermordet wurde, wurde Mühsam als 'treibendes Element' zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt, 1924 jedoch amnestiert. Die Haft verbrachte er zum größten Teil im Gefängnis Niederschönenfeld. Nach seiner Entlassung zog er nach Berlin und gab die anarchistische Zeitschrift Fanal heraus. Er arbeitete mit dem jungen Herbert Wehner zusammen. Auch zu Silvio Gesell, dem Begründer der Freiwirtschaftslehre, bestand eine besondere Nähe. Mühsam hielt dessen Grabrede und veröffentlichte in seiner Zeitschrift Fanal eine überaus positive Würdigung der Lebensleistung Gesells.

1925 bis 1929 engagierte er sich in der KPD-nahen Gefangenenhilfsorganisation Rote Hilfe Deutschlands, weil er die Justiz zur Zeit der Weimarer Republik für Klassenjustiz hielt. Die Föderation Kommunistischer Anarchisten Deutschlands (FKAD) schloss ihn aus diesem Grunde unter dem Vorwurf der „KPD-Nähe“ nach nur kurzer Mitgliedschaft aus der Organisation aus. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis war er ein unermüdlicher Aktivist gegen die drohende Kriegsgefahr, neben anderen mit seinem Freund dem Antimilitaristen Ernst Friedrich. 1926 trat er förmlich aus dem Judentum aus. 1929 trat er wegen politischer Differenzen aus der Roten Hilfe aus. Anfang der 30er Jahre wurde er Mitglied in der anarcho-syndikalistischen FAUD, bei der sein Freund und Kampfgefährte Rudolf Rocker bestimmenden Einfluss hatte. Als Sonderheft seiner Zeitschrift "Fanal" erschien kurz vor der Machtergreifung durch die Faschisten (1932) seine programmatische Schrift „Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat. Was ist kommunistischer Anarchismus?“ Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde er verhaftet und 1934 im KZ Oranienburg ermordet. Die Meldung in der nationalsozialistischen Presse lautete: „Der Jude Erich Mühsam hat sich in der Schutzhaft erhängt“. Seine Mithäftlinge traten später dieser Darstellung entgegen und berichteten von der Ermordung Mühsams im Zimmer des Lagerkommandanten. Die internationale Presse meldete den Tod Mühsams als Mord des Naziregimes. Er wurde in einem Ehrengrab auf dem Waldfriedhof Dahlem beigesetzt. Mühsams Witwe sorgte nach seiner Ermordung dafür, dass der Nachlass der Öffentlichkeit übergeben wurde.

Erich Mühsam ist ein Cousin des Schriftstellers und Übersetzers Paul Mühsam.

 

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