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St. Jacobikirche
Oranienstraße
132-134/Jakobikirchstraße, 10969 Berlin
Die St. Jacobikirche ist eine 1844/1845 im Stil einer altchristlichen
Basilika erbaute evangelische Kirche im Berliner Ortsteil Kreuzberg
in der Oranienstraße und wird von der Jacobi-Luisenstadt-Kirchengemeinde
genutzt. Die Gemeinde gehört zum Evangelischen Kirchenkreis
Berlin Stadtmitte der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische
Oberlausitz (EKBO), die eine Gliedkirche der Evangelischen Kirche
in Deutschland (EKD) ist. Die Gemeinde hat 1796 Mitglieder (Stand
31.12.2009).
Name
In alten Bauplänen ist er noch mit Neue Louisenstadtkirche
ausgewiesen. König Friedrich Wilhelm IV. als Patron verlieh
der Kirche ihren Namen, in Anlehnung an das Jakobs-Hospital, einem
Altenheim der Petri-Gemeinde an der Alten
Jakobstraße, der ältesten Straße im neuen
Gemeindegebiet, einem Teil des örtlichen Jakobsweges nach
St. Marien und von dort weiter zum Grab des Apostels Jakobus in
Santiago de Compostela in Spanien.
Geschichte
Die Oranienstraße führte in den 1840er-Jahren durch
ein gerade entstehendes Vorstadtviertel, die Luisenstadt. 1843
wurde die St.-Jacobi-Kirchengemeinde von der Luisenstadt-Gemeinde
abgetrennt; es war die erste Teilung innerhalb Berlins, die erst
nach langwierigem Kampf und Widerstand durchgesetzt wurde. Die
weite Ausdehnung des Gemeindebezirks und die ständig zunehmende
Bevölkerungszahl machten diese jedoch notwendig.

Zeichnung von Therese Brandin (1897) |
1843 wurde unter der Federführung Pfarrer Bachmanns,
der von der Luisenstadt-Gemeinde in die St.-Jacobi-Parochie
wechselte, der Kirchbauverein gegründet. Als Bauplatz
war der heutige Waldeckplatz, ein damals schon geschlossener
Kirchhof der St.-Petri-Gemeinde, vorgesehen. Die Petri-Gemeinde
stellte dieses Gelände jedoch nicht zur Verfügung.
So erwarb der Bauverein mit Mitteln des Königs Friedrich
Wilhelm IV. für 26.000 Reichstaler das damals noch
auf freiem Feld liegende heutige Kirchengrundstück.
Am 2. Juli 1844 erfolgte die Grundsteinlegung in Anwesenheit
des Königs, städtischer und staatlicher Behördenvertreter.
Am 23. November 1844 war Richtfest des Kirchenrohbaus (unter
Ausschluss des Turmes und des Atriums). Die Kirche weihte
am 5. Oktober 1845 Bischof Daniel Amadeus Neander, altpreußischer
General-Superintendent der Kurmark und Propst an St. Petri.
Der Patron König Friedrich Wilhelm IV., seine Frau
und andere Würdenträger reisten per Sonderzug
aus Potsdam an. Anwesend waren ebenfalls Deputationen des
Magistrats und der Stadtverordneten.
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Baustil
Die St. Jacobikirche ist in West-Berlin das einzige erhaltene
Beispiel für die konsequente Anwendung des altchristlichen
Basilikenbaus. Der Entwurf für diese frühchristlich
byzantinische das heißt italienisch-frühromanische
Basilika stammt vom Leiter der preußischen Oberbaudeputation,
Friedrich August Stüler, dem Nachfolger Karl Friedrich Schinkels.
Gustav Holtzmann wurde mit der Bauausführung betraut.
Es entstand eine Gesamtanlage mit einer dreischiffigen Basilika
und einem links davon stehenden Campanile, mit Atrium und verbindenden
Arkadengängen sowie symmetrischen Nebenbauwerken an der Straßenseite,
die 1859 (Pfarrhaus) bzw. 1865/1866 (Predigerhaus) errichtet wurden.
Das Innere
Ursprünglich wurde das Hauptschiff von Säulenreihen
in zwei Geschossen übereinander getragen, von korinthischen
und dorischen Säulen über und unter den Emporen, die
die ganze Tiefe der Seitenschiffe ausfüllten. Zwei Reihen
von Bibelsprüchen waren als Schmuck im Umkreis der ganzen
Kirche angebracht. Die Apsis wurde zunächst mit einem blaugrundigen
Sternenhimmel versehen. 1882 wurde der Innenraum renoviert, 1906
erfolgte eine Umgestaltung. Das Gestühl, bisher in Längsrichtung,
wurde in Richtung auf die heutige moderne Kanzel umorientiert.
Die Apsis, bisher durch den Altar und ein rundbogig gerahmtes
Ölbild geschmückt, wurde unter der nun hell gestrichenen
Einwölbung mit einem umlaufenden starkfarbigen Mosaik belegt,
das den segnenden Jesus in der Mitte der Apostel Petrus, Paulus,
Johannes und Jakobus zeigte.
Der Apostel Jakobus
Die im Atrium aufgestellte Sandsteinplastik des Apostels Jakobus,
ein Werk des Berliner Bildhauers Emil Hopfgarten, ist ein Geschenk
des königlichen Patrons zur Einweihung 1845.
Die Kirche heute
Am 3. Februar 1945 wurde die Kirche bei einem schweren Luftangriff
zerstört. Leicht beschädigt erhalten blieben nur die
Wohnhäuser, der Turm und das Atrium. Von 1947 bis 1957 fanden
die Gottesdienste in einer neben der Ruine errichteten Notkirche
statt. 1953 begann der Wiederaufbau mit der Beseitigung der Schäden
am Campanile. Im April 1957 wurde die im Außenbau historisch
getreu wiederhergestellte Kirche geweiht.
1981 wurde die St.-Jacobi-Kirchengemeinde mit der geteilten Luisenstadt-Kirchengemeinde
vereinigt.
Der Innenraum wurde von den verantwortlichen Architekten Paul
Emmerich und dessen Sohn Jürgen stark vereinfacht: Die Emporen
fehlen nun ganz, man schuf seitenschiffhohe Rundbogenarkaden,
die ohne Kapitell in Mauerpfeiler quadratischen Grundrisses übergehen.
In der unzerstörten Apsis ist nur die Mosaikdarstellung des
segnenden Christus erhalten geblieben.
Die ev. Kirchengemeinde St. Jacobi-Luisenstadt bildet mit den Nachbargemeinden St. Simeon und Melanchthon seit dem 1. Juli 2011 den Pfarrsprengel Kreuzberg-Mitte.
Die Orgel
Die 1959 von der Firma E. F. Walcker & Cie. errichtete Orgel
gliedert in ihren vier Werken die Empore mit dem Rosettenfenster
in hervorragender Weise und stellt mit 40 klingenden Registern
ein Instrument dar, das vielseitigsten Konzertansprüchen
genügt.
Links
Evangelische St. Jacobi-Luisenstadt-Kirchengemeinde
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