Brommystraße - Berlin-Kreuzberg - Xhain.info

Brommystraße

Brommystraße

10997 Berlin

Kreuzberg

 

Die Brommystraße (Postleitzahl 10997) ist eine Straße im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, Ortsteil Kreuzberg. Sie verläuft von der Köpenicker Straße bis zur Spree. Benannt ist die Straße seit dem 15. Juni 1906 nach dem Befehlshaber der ersten deutschen Reichsflotte Karl Rudolf Brommy (1804 - 1860). Bis zur Zerstörung der Brommybrücke im Zweiten Weltkrieg führte die Brommystraße bis nach Friedrichshain.


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Sackgasse Brommystraße
Reste der Brommybrücke (Blickrichtung Friedrichshain)
Sackgasse Brommystraße
Reste der Brommybrücke (Blickrichtung Friedrichshain)
   

Brommybrücke

Die Brommybrücke war eine Straßenbrücke über die Spree in Berlin und lag zwischen der Schillingbrücke und der Oberbaumbrücke. Als nördliche Verlängerung der Eisenbahnstraße führte auf ihr die Brommystraße von Kreuzberg nach Friedrichshain zur Mühlenstraße (Höhe Rummelsburger Platz). Die Brücke wurde von 1907 bis 1909 erbaut, 1945 im Zweiten Weltkrieg zerstört und bisher nicht wieder aufgebaut.

1851 wurde zwischen der Luisenstadt und der Mühlenstraße eine eingleisige Eisenbahnbrücke errichtet, über die eine innerstädtische Eisenbahnstrecke, die Berliner Verbindungsbahn, geführt wurde. Diese Bahn diente dem Gütertransport und verband unter anderem die Kopfbahnhöfe Frankfurter und Hamburger Bahnhof miteinander. Die Flussquerung der Verbindungsbahn war in der Mitte der Spree als Drehbrücke ausgeführt, damit auch Schiffe weiterhin ungehindert fahren konnten. Für Fußgängerpassagen war seitwärts ein schmaler Weg vorhanden. Verkehrsstauungen, Schmutz und Lärm für die Anwohner führten schließlich 1871 zur fast völligen Einstellung des Verkehrs auf der Verbindungsbahn, lediglich der Kohlentransport bis zu den Gasanstalten in Kreuzberg wurde noch durchgeführt.

1882 wurde den Fußgängern durch einen höher gelegten Überbau die ungestörte Passage der Brücke ermöglicht. Dieser Übergang war jedoch schon 1893 marode und musste vollständig neu gebaut werden, eine direkte Straßenbrücke gab es aber weiterhin nicht. Da bald auf diesem Weg keine Kohle mehr mit der Eisenbahn transportiert werden musste, wurde die Drehbrücke nicht mehr benutzt, war aber den Schiffern ein Hindernis, dessen Abriss sie beim Magistrat beantragten.

Stattdessen wurde nun eine neue, für den Straßenverkehr geeignete Brücke projektiert, für die eine Straße von der Eisenbahnstraße zum Spreeübergang neu angelegt werden musste, und zwar dort, wo vorher die Bahnlinie verlief. Alfred Messel erhielt den Auftrag zum Entwurf der neuen Brücke. Messel plante die Errichtung einer dreijochigen Gewölbebrücke aus Stampfbeton. Für den Unterwasserteil war eine Verkleidung mit Granit, für den sichtbaren Teil eine Verkleidung mit fränkischem Muschelkalk vorgesehen. Durch kaiserlichen Erlass erhielt diese Brücke am 15. Juni 1906 – noch vor dem Baubeginn 1907 – den Namen Brommybrücke zu Ehren von Admiral Brommy (eigentlich Karl Rudolf Bromme). Die Bauunternehmung Dyckerhoff & Widmann AG führte die Stampfbeton-Arbeiten aus.

Brommybrücke (1910), Photographie von Hermann Rückwardt

Brommybrücke (1910), Photographie von Hermann Rückwardt

Am 4. Dezember 1909 wurde die 18 m breite und 95 m lange Brommybrücke dem Verkehr übergeben. Über den beiden mittleren auskragenden Brückenpfeilern erhoben sich auf jeder Seite Schutzhäuschen, die Eckpfeiler des Geländers waren geschmückt mit Plastiken von Ignatius Taschner, der auch bei den Figuren am Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain beteiligt war. Diese Bildhauerarbeiten stellten Putten dar, die auf sagenhaften, fischschwänzigen Tieren wie Hund, Löwe, Adler und Widder saßen. Die nun über die Brücke führende Straße erhielt ihren Namen nach dem Marineoffizier und Konteradmiral Karl Rudolf Brommy.

Im Zweiten Weltkrieg wurde auch diese Brücke gesprengt, um damit der anrückenden Roten Armee den Vormarsch zu erschweren. Im Gegensatz zu anderen wichtigen Verkehrsbrücken erfolgte kein Wiederaufbau der Brommybrücke. Bis auf die im Fluss stehenden Pfeilerreste wurden alle Brückenbauteile 1950/1951 abgeräumt. Fabriken und Wohngebäude an der auf die Brücke zuführenden Brommystraße wurden verlagert oder abgerissen. Der anschließend planierte Streifen zwischen Spreeufer und der Stralauer Allee verlor mit dem Bau der Mauer und der bald folgenden Hinterlandmauer (heute als East Side Gallery bekannt) alle Hinweise auf eine früher hier beginnende Brücke. Die eigentlich damit nicht mehr vorhandene Brommystraße war jedoch noch in amtlichen Unterlagen bis 1974 enthalten.

Ab 1990 erscheint dieses Straßenstück wieder in den amtlichen Vermessungskarten. Erst 1977 wurden die auf der Nordseite befindlichen Brückenpfeiler und das Widerlager total beseitigt. Kurz vor dem Fall der Mauer, im Spätsommer des Jahres 1989 gab es ein Abkommen zwischen der Ost-Berliner Verwaltung und den Zuständigen auf West-Berliner Seite zum Abbruch des im Fluss verbliebenen südlichen Pfeilers der Brommybrücke, wofür im Ost-Berliner Haushalt 1,75 Mio. Mark eingeplant waren. Die Ereignisse am 9. November 1989 und die darauf folgende Entwicklung in Berlin verhinderten diese Arbeiten.

Die Spree war von der Oberbaumbrücke bis zur Schillingbrücke zwischen 1945 und 1990 auch eine innerdeutsche Grenze, sie trennte den sowjetischen und den amerikanischen Sektor von Berlin. Nach dem Mauerbau von 1961 versuchten immer wieder Fluchtwillige den Ostsektor auf diesem Wege zu verlassen. Im Bereich der Brommybrücke versuchte Ernst Probst über die Reste der Brückenpfeiler nach Kreuzberg zu entkommen. Die DDR-Grenzposten erschossen ihn.

Neubau fest geplant

Der Berliner Senat plante in den 1990er-Jahren (dann um 2001 und schließlich ab 2007) einen Wiederaufbau der Brommybrücke. Die neuen Pläne zur Bebauung des Uferstreifens, das Mediaspree-Projekt, sieht eine Ansiedlung von Kommunikations- und Medienunternehmen in diesem Bereich beiderseits der Spree vor. Ein zweiter Verkehrsweg über die Spree wird somit wieder für dringlich gehalten. Die Ingenieurgesellschaft HL Hoffmann Leichter und der Architekt Gerhard Spangenberg haben inzwischen Gutachten und eine Projektskizze erstellt, wonach für etwa 20 Mio. Euro eine neue moderne Brommybrücke mit oben liegendem Stahltragwerk und darin untergebrachten zweietagigen Gewerbeeinheiten entstehen könnte (eine „bewohnte“ Brücke“).

Um das Südufer der Spree an dem Widerlager und dem verbliebenen Brückenpfeiler wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde 2007 auf den stabilen Resten eine Aussichtsplattform errichtet, die mit dem Namen Spreebalkon (auch Brommybalkon genannt) an die ehemalige Brücke erinnert. Seit der Fertigstellung der O2 World bietet sich von hier aus auch ein freier Blick auf diese Arena.

Am 5. September 2007 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung den Neubau einer Brücke an historischer Stelle, der für den kompletten Straßenverkehr auszulegen ist, allerdings vorerst nur durch den öffentlichen Personennahverkehr, durch Radfahrer und Fußgänger genutzt werden soll. Der Baubeginn war für das Jahr 2009 geplant. Wegen der allgemeinen Finanzkrise und massiver Widerstände verschiedener Gruppen konnte der Berliner Senat die bisher verfolgten Neubaupläne allerdings nicht umsetzen. Im Februar 2008 wurde öffentlich über eine „Billigvariante neue Brommybrücke“ nachgedacht, die Radfahrern und Fußgängern dienen und damit „nur“ etwa 2,5 Mio. Euro kosten soll. Auch das Ergebnis der Volksbefragung zum Mediaspree-Projekt und die daraus resultierenden neuen Abstimmungen werden wohl die Neubaupläne einer Brommybrücke noch einmal verändern.

 

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Brommybrücke aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Dies gilt nicht für die Bilder auf dieser Seite. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.