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Das Willy-Brandt-Haus steht in Berlin-Kreuzberg,
Ecke Stresemann- und Wilhelmstraße. Es ist Sitz der Bundeszentrale
der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.
Die Vorgeschichte
1991, im Jahr nach der Deutschen Wiedervereinigung, wurde der Umzug
des Deutschen Bundestages und wesentlicher Teile der Bundesregierung
nach Berlin beschlossen. In der Folge entschied sich die SPD, auch
ihre Parteizentrale möglichst rasch vom Bonner Erich-Ollenhauer-Haus
in die alte und neue Hauptstadt zu verlegen. Gesucht wurde ein Standort
in der Nähe der historischen Adresse Lindenstraße 3 in
Berlin-Kreuzberg. Hier, im "Lindenhof", waren der Parteivorstand,
die Parteischule und parteieigene Betriebe der SPD von 1914 bis
1933 untergebracht. Die Nationalsozialisten hatten das Gebäude
1933 besetzt und später enteignet, im Zweiten Weltkrieg wurde
es so stark zerstört, dass es 1962 abgerissen werden musste.
Das Gebäude
Das 3225 m² große Eckgrundstück für die neue
Zentrale wurde 1992 erworben. Für dieses Areal hatte der
Architekt Helge Bofinger schon im Rahmen der Internationalen Bauausstellung
1984/87 (IBA) den preisgekrönten Entwurf eines Wohn- und
Geschäftshauses geliefert, das allerdings nicht gebaut worden
war. Die Absicht war seinerzeit, in der städtebaulich äußerst
unbefriedigenden Umgebung der südlichen Friedrichstadt -
gekennzeichnet durch zahlreiche Brachflächen und eine zusammenhanglose,
qualitätsarme Nachkriegsbebauung - einen möglichst anregenden
Akzent zu setzen. Bofingers damaliger Entwurf deckte sich weitgehend
mit den Vorstellungen der neuen Bauherren. Die Pläne wurden,
wo nötig, dem veränderten Nutzungsprofil angepasst und
in nur zweijähriger Bauzeit umgesetzt. Im Mai 1996 konnte
das Willy-Brandt-Haus eingeweiht werden.
Auf einem spitz zulaufenden Grundstück war ein siebengeschossiger
Bau entstanden, die Traufhöhe von 22 Metern ist der Umgebung
angepasst. Stilistisch zeigt das Haus deutliche Anklänge
an die Klassische Moderne, es erinnert an bekannte Bauten der
Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts.
Wesentliche Materialien sind Glas, heller Kalkstein und blau schimmerndes
Metall. Ein ausgefeiltes ökologisches Konzept ermöglicht
niedrigen Energieverbrauch, reduzierte Emissionen und die Nutzung
natürlicher Ressourcen (z. B. durch ein teilweise begrüntes
Dach mit 300 m² Solarzellen). Eine Passage verbindet Stresemann-
und Wilhelmstraße, von hier aus erreicht man ein haushohes,
verglastes Atrium und weiter, über Treppen und gläserne
Aufzüge, die verschiedenen Ebenen des Gebäudes. Das
Willy-Brandt-Haus ist als offenes Haus konzipiert. Für kulturelle
Aktivitäten - Kunstausstellungen und dergleichen - sind geeignete
Flächen und Räume vorgesehen. Im Erdgeschoss befinden
sich Ladengeschäfte und gastronomische Einrichtungen, die
beiden unteren Büroetagen werden an externe Nutzer vermietet.
In der fünften Etage hat der Parteivorsitzende sein Büro
und ganz oben in der Spitze des Gebäudes, hinter halbrunder
Glasfront, liegt der große Präsidiumssaal.
Die Skulptur
Ein viel beachtetes Detail ist das überlebensgroße,
bronzene Willy-Brandt-Denkmal im Atrium des Hauses. Diese Arbeit
des Malers und Bildhauers Rainer Fetting ist 3,40 Meter hoch und
über 500 Kilo schwer. Sie zeigt den Politiker in einer beinahe
privaten, aber sehr konzentrierten Haltung, nicht idealisiert,
auch nicht naturalistisch, aber wiedererkennbar. Zahlreiche Besucher
lassen sich vor der Skulptur fotografieren. Bei Anlässen
von öffentlichem Interesse, Pressekonferenzen zum Beispiel,
gerät sie unvermeidlich ins Blickfeld der Kameras - auf diese
Weise haben die heute handelnden Personen der Partei anscheinend
immer ein wenig Anteil an der Autorität und Beliebtheit ihres
früheren Vorsitzenden.
Links:
www.willy-brandt-haus.de
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