Willy-Brandt-Haus - Berlin-Kreuzberg - Xhain.info

Willy-Brandt-Haus

Willy-Brandt-Haus

Das Willy-Brandt-Haus ist Sitz der Bundeszentrale der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) und befindet sich im Berliner Ortsteil Kreuzberg an der Wilhelmstraße 140 Ecke Stresemannstraße 28. Es ist nach Willy Brandt benannt, dem langjährigen SPD-Vorsitzenden (1964–1987) und ehemaligen Bundeskanzler (1969–1974).

Die Vorgeschichte

1991, im Jahr nach der Deutschen Wiedervereinigung, wurde der Umzug des Deutschen Bundestages und wesentlicher Teile der Bundesregierung nach Berlin beschlossen. In der Folge entschied sich die SPD, auch ihre Parteizentrale möglichst rasch vom Bonner Erich-Ollenhauer-Haus in die alte und neue Hauptstadt zu verlegen. Gesucht wurde ein Standort in der Nähe der historischen Adresse Lindenstraße 3 in Berlin-Kreuzberg. Hier, im "Lindenhof", waren der Parteivorstand, die Parteischule und parteieigene Betriebe der SPD von 1914 bis 1933 untergebracht.


Die Nationalsozialisten hatten das Gebäude 1933 besetzt und später enteignet, im Zweiten Weltkrieg wurde es so stark zerstört, dass es 1962 abgerissen werden musste

Das Gebäude

Das 3225 m² große Eckgrundstück für die neue Zentrale wurde 1992 erworben. Für dieses Areal hatte der Architekt Helge Bofinger schon im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1984/87 (IBA) den preisgekrönten Entwurf eines Wohn- und Geschäftshauses geliefert, das allerdings nicht gebaut worden war. Die Absicht war seinerzeit, in der städtebaulich äußerst unbefriedigenden Umgebung der südlichen Friedrichstadt - gekennzeichnet durch zahlreiche Brachflächen und eine zusammenhanglose, qualitätsarme Nachkriegsbebauung - einen möglichst anregenden Akzent zu setzen. Bofingers damaliger Entwurf deckte sich weitgehend mit den Vorstellungen der neuen Bauherren. Die Pläne wurden, wo nötig, dem veränderten Nutzungsprofil angepasst und in nur zweijähriger Bauzeit umgesetzt. Im Mai 1996 konnte das Willy-Brandt-Haus eingeweiht werden.

Auf einem spitz zulaufenden Grundstück war ein siebengeschossiger Bau entstanden, die Traufhöhe von 22 Metern ist der Umgebung angepasst. Stilistisch zeigt das Haus deutliche Anklänge an die Klassische Moderne, es erinnert an bekannte Bauten der Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. Wesentliche Materialien sind Glas, heller Kalkstein und blau schimmerndes Metall. Ein ausgefeiltes ökologisches Konzept ermöglicht niedrigen Energieverbrauch, reduzierte Emissionen und die Nutzung natürlicher Ressourcen (z. B. durch ein teilweise begrüntes Dach mit 300 m² Solarzellen). Eine Passage verbindet Stresemann- und Wilhelmstraße, von hier aus erreicht man ein haushohes, verglastes Atrium und weiter, über Treppen und gläserne Aufzüge, die verschiedenen Ebenen des Gebäudes. Das Willy-Brandt-Haus ist als offenes Haus konzipiert. Für kulturelle Aktivitäten - Kunstausstellungen und dergleichen - sind geeignete Flächen und Räume vorgesehen. Im Erdgeschoss befinden sich Ladengeschäfte und gastronomische Einrichtungen, die beiden unteren Büroetagen werden an externe Nutzer vermietet. In der fünften Etage hat der Parteivorsitzende sein Büro und ganz oben in der Spitze des Gebäudes, hinter halbrunder Glasfront, liegt der große Präsidiumssaal.

Die Skulptur

Ein viel beachtetes Detail ist das überlebensgroße, bronzene Willy-Brandt-Denkmal im Atrium des Hauses. Diese Arbeit des Malers und Bildhauers Rainer Fetting ist 3,40 Meter hoch und über 500 Kilo schwer. Sie zeigt den Politiker in einer beinahe privaten, aber sehr konzentrierten Haltung, nicht idealisiert, auch nicht naturalistisch, aber wiedererkennbar. Zahlreiche Besucher lassen sich vor der Skulptur fotografieren. Bei Anlässen von öffentlichem Interesse, Pressekonferenzen zum Beispiel, gerät sie unvermeidlich ins Blickfeld der Kameras - auf diese Weise haben die heute handelnden Personen der Partei anscheinend immer ein wenig Anteil an der Autorität und Beliebtheit ihres früheren Vorsitzenden.

 

Links:

www.willy-brandt-haus.de

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