Geschichte Kreuzbergs
Der bis Ende 2000 existierende Bezirk Kreuzberg wurde 1920 aus
der Fusion der Gebiete Tempelhofer Vorstadt, südliche Friedrichstadt
und eines großen Teils der Luisenstadt sowie des Köpenicker
Vorfelds gebildet. Den Zweiten Weltkrieg haben nur die Tempelhofer
Vorstadt und die Luisenstadt weitgehend unbeschädigt überstanden.
Im Februar 1945 wurde das Gebiet der südlichen Friedrichstadt
zwischen dem heutigen Halleschen Tor im Süden, der Prinzenstraße
im Osten und der Kochstraße im Norden während eines
US-Luftangriffs fast völlig zerstört.
Benannt wurde der ehemalige Bezirk und heutige Ortsteil Berlins
nach dem im Südwesten gelegenen Kreuzberg, einem Hügel
im heutigen Viktoriapark am Rande der Hochebene des Teltows. Nach
der Gründung der Stadtgemeinde Berlin 1920 hieß der
Bezirk zunächst Hallesches Tor.
Der Berg wiederum verdankt seine Namen einem Denkmal auf seinem
Gipfel. Auf der (damals noch) Tempelhofer Berg genannten Erhebung
hatte man 1821 nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel
ein Denkmal in Grundform des Eisernen Kreuzes errichtet, um an
die Befreiungskriege gegen Napoleon zu erinnern.
Seine überregionale Bekanntheit verdankt Kreuzberg vor allem
der bewegten Geschichte des kleineren östlichen Bereichs
(und Postbezirks) SO 36, später Berlin 36, der von
zwei Seiten umschlossen von der deutsch-deutschen Grenze
in den 1970er- und 1980er-Jahren als Zentrum der Alternativbewegung
und der Hausbesetzerszene legendär wurde. SO 36 erstreckt
sich zwischen Spree, nördlich der Lohmühleninsel und
des Landwehrkanals sowie östlich des heute zugeschütteten
Luisenstädtischen Kanals. Heutzutage gilt diese Gegend als
einer der ärmsten Teile Berlins. Den größeren
Teil Kreuzbergs bilden die nordwestlich gelegene, stark kriegszerstörte
südliche Friedrichstadt (das damalige Zeitungsviertel)
und die ganze südliche Hälfte (Kreuzberg 61).
Fast ein Drittel der rund 160.000 Einwohner sind Migranten, viele
türkische Gastarbeiter und deren Nachkommen. Auch für
diese demografische Besonderheit ist Kreuzberg weit über
die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Die türkischstämmige
Bevölkerung konzentriert sich vor allem auf den östlichen
Bereich SO 36 und hierbei den Wrangelkiez. In den letzten Jahren
verändert sich die Bevölkerungsstruktur durch Gentrifizierungseffekte
sehr stark.
Ab 1987 geriet Kreuzberg (SO 36) regelmäßig zum 1.
Mai durch teils schwere Straßenschlachten in die Schlagzeilen.
Ausgangspunkt der Krawalle war meist der Zusammenstoß von
Teilnehmern der Mai-Kundgebungen und der Polizei. Heute hat sich
die Gewalt mehr und mehr ritualisiert und ist von großer
Medienpräsenz begleitet. Die ursprünglich politische
Motivation ist in den Hintergrund getreten, es betätigen
sich nun größtenteils Jugendliche auf der Suche nach
einem Abenteuer. 1987 vom Lausitzer Platz ausgehend, konzentrierten
sich die damaligen Krawalle um Kottbusser Tor und Oranienplatz.
An der Skalitzer Straße ging in jenem Jahr eine Filiale
des Lebensmittelmarktes Bolle in Flammen auf, wurde bis auf die
Grundmauern zerstört, und nicht wieder aufgebaut. Auf dem
Gelände wird seit 2004 ein islamisches Gemeindezentrum mit
Moschee errichtet. Seit dem Jahr 2005 ist ein Rückgang der
Gewalt zu beobachten, der allerdings mit einer Verlagerung auf
andere deutsche Großstädte in Zusammenhang steht (siehe:
Erster Mai in Kreuzberg).
Zu Zeiten der Berliner Mauer in einer Nischenlage, ist Kreuzberg
mit der Wiedervereinigung 1990 zu einem Ort im Zentrum Berlins
geworden, das als Standort für Unternehmen an Attraktivität
gewinnt.
So ziehen jetzt viele Unternehmen und Organisationen zum Spreeufer
an der Oberbaumbrücke. 1997 wurde der geographische Mittelpunkt
von Berlin an der Alexandrinenstraße 1214 Ecke Verbindungsweg
zur Wassertorstraße, mit einer die Koordinaten enthaltenden
Granitplatte markiert.
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