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Ende des 19. Jahrhunderts wurde südlich des Bahngeländes
an der Warschauer
Straße der Rudolfplatz angelegt. Am 2. Dezember 1900
weihte man an dessen Westseite eine kleine Kapelle aus Holz ein.
Sie diente der rasch angewachsenen Bevölkerung vor dem Stralauer
Tor.
Hierzu hatte sich bereits 1897 als Ausgründung der evangelischen
Andreasgemeinde
am Stralauer
Platz eine eigene Gemeinde gebildet, die ihre Gottesdienste
in einem Hinterhaus in der Stralauer
Allee abhielt. 1903 entschloss man sich zu einem Neubau und
beauftragte hierfür den kaiserlichen Baurat Jürgen Kröger
(1856 bis 1928). Von ihm stammen in Berlin unter anderem die Pfingstkirche
am Petersburger
Platz, die Christophorus-Kirche in Friedrichshagen sowie der
Neubau der alten Dorfkirche Alt-Tegel.
Der Bau für die neue Kirche wurde am 11. September 1905
begonnen, der Grundstein am 29. April 1906 gelegt. Die feierliche
Einweihung erfolgte am 9. Februar 1908. (Die Holzkapelle wurde
noch bis 1907 benutzt, dann zerlegt und bis 1912 auf dem Ostkirchhof
Ahrensfelde weiter verwendet.) 1928 wurde an das Kirchengebäude
in der Rudolfstraße ein Gemeindehaus in spätexpressionistischen
Formen angebaut.
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Berlin 1933 Blick auf den Altar und auf die Standbilder
des brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. (im Vordergrund)
und des schwedischen Königs Gustav II. Adolf in der
Zwinglikirche am Rudolfplatz im Stadtbezirk Friedrichshain
Bild und Text zum Bild stehen unter CC-BY-SA-Lizenz
- Bundesarchiv, Bild 183-1987-0915-512 / CC-BY-SA
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Der neugotische Klinkerverblendbau über einem hohen Hausteinsockel
weist an den Fassaden nach Osten und Norden reiche historisierende
Formen auf. Die Portale sind von krabbenbesetzten Wimpergen gekrönt
und mit Maßwerkschmuck versehen. Die Nordfassade zeigt zwei
Giebel, große Maßwerkfenster und Rosetten, die Westseite
einen Staffelgiebel. Die Südseite der Kirche liegt an einem
Hof und ist eingebaut. Weithin sichtbar und das Stadtbild prägend
ist der 81 Meter hohe quadratische Turm mit seinem schlanken achtseitigen
Spitzhelm an der Nordostecke. In einer Nische am Fuße des
Turmansatzes befindet sich eine lebensgroße, 1907 von Martin
Götze geschaffene Bronzefigur des Reformators und Namenspatrons
Huldrych Zwingli.
Die Ausschmückung der Kirche bezieht sich thematisch auf
die Reformation, vor allem in den Darstellungen der Kirchenfenster.
Der sterngewölbte asymmetrische Saal besitzt Emporen an der
Ost- und Nordseite und einen Laufgang im Westteil. Unterhalb der
Emporen bilden sich seitenschiffartige Räume. Das etwa 6
m hohe Altargemälde zeigt Christus auf dem Meere schreitend.
Die Standbilder der Förderer der Reformation, der brandenburgische
Kurfürst Joachim II. und der schwedische König Gustav
Adolf, sind aus Carrara-Marmor gearbeitet und befinden sich rechts
und links vom Altar. Eine Orgel komplettiert die Innenausstattung.
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Berlin 1933 Die Zwinglikirche am Rudolfplatz, Stadtbezirk
Friedrichshain, wurde 1905-08 von Jürgen Kröger
errichtet; Blick auf den Altar und die Standbilder des brandenburgischen
Kurfürsten Joachim II. und des schwedischen Königs
Gustav II. Adolf (r.)
Bild und Text zum Bild stehen unter CC-BY-SA-Lizenz
- Bundesarchiv, Bild 183-1987-0915-510 / CC-BY-SA
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Zwischen 1978 und 1993 diente der Bau nicht zu kirchlichen Zwecken,
da er für eine "neue Nutzung vorgesehen" war. In
dieser Zeit wurde er an die Staatsbibliothek zu Berlin als Archiv
verpachtet. Von 1993 bis 1995 wurde die Kirche renoviert und wieder
durch die evangelische Gemeinde genutzt. Seit Herbst 1997
werden langfristig neue Nutzungskonzepte gesucht; nach vielen
Gesprächen und der zeitweiligen Hinzuziehung anderer Partner
hat sich im Jahr 2006 ein Verein Kultur-Raum Zwingli-Kirche gegründet.
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