Valeska-Gert-Straße - Berlin-Friedrichshain - Xhain.info

Valeska-Gert-Straße

Valeska-Gert-Straße

10243 Berlin

Friedrichshain

 

Die Valeska-Gert-Straße (Postleitzahl 10243) ist eine Straße im Berliner Stadtteil Friedrichshain und damit im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Sie verläuft von der Mariane-von-Rantzau-Straße bis zur Mildred-Harnack-Straße und gehört zum Gelände der O2 World. Benannt ist sie nach Valeska Gert. Die Straße trägt seit dem 16.11.2006 ihren Namen.


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Valeska Gert

Valeska Gert, eigentlich Gertrud Valesca Samosch (* 11. Januar 1892 in Berlin; † 18. März 1978 in Kampen/Sylt), war eine Tänzerin und Kabarettistin, die gelegentlich auch als Schauspielerin tätig war.

Valeska war das älteste Kind des Berliner Kaufmanns Theodor Samosch und seiner Ehefrau Augusta Rosenthal. Auf Veranlassung der Mutter erhält sie seit dem siebten Lebensjahr Tanzstunden. 1915/16 nimmt sie Schauspielunterricht bei Maria Moissi und Alfred Breiderhoff. Wenig später erhält Gert ein Engagement an den Münchner Kammerspielen und im Jahr darauf kann sie bereits große Erfolge als Solotänzerin in Berlin und München verzeichnen. Ihre exzentrischen Tanzpantomimen mit so klangvollen Bezeichnungen wie "Boxen", "Nervosität" ode "Kupplerin" machen sie schließlich zum skandalumwitterten Star. Gezielt nutzt sie ihr wenig ansprechendes Aussehen mit Stil und Witz für ihre Darstellung. 1925 ist sie erstmals in einem Film zu sehen. In Hans Neumanns Parodie von Ein Sommernachtstraum verkörpert sie den Puck. Kurz darauf setzt sie Georg Wilhelm Pabst mit großem Gewinn in seinem während der Krise der Inflationszeit spielenden Straßenfilm Die freudlose Gasse (1925) ein, in dem sie eine schmierige Kupplerin gibt. Danach sieht man sie in Alraune und dem eher belanglosen Streifen So ist das Leben. 1929 kommt es erneut zu einer Zusammenarbeit mit Pabst: Er engagiert sie für Tagebuch einer Verlorenen. Hier brilliert sie als sadistische Leiterin eines Heims für gefallene Mädchen. Es sind vor allem die Szenen mit Valeska Gert, die dem Zuschauer im Gedächtnis haften bleiben: Während sie ihre leicht bekleideten Schutzbefohlenen zu Turnübungen animiert, treibt sie sich durch das Schlagen eines Gongs in eine Schrecken erregende Ekstase, die in einem veritablen Orgasmus mündet. Einen größeren Bekanntheitsgrad erlangt sie ein Jahr später mit ihrem Auftritt als Mrs. Peachum in der ebenfalls von Pabst in Szene gesetzten Dreigroschenoper. Auch bei den Künstlern jener Zeit erregt sie Aufmerksamkeit: Bauhaus-Schüler Wassiljef malt sie im „Tod“ , Jeanne Mammen verewigt sie 1929 als „Chansonette“ und Charlotte Berend-Corinth hält sie tanzend in einer Graphik-Folge fest.

1933 von den Nazis als „entartet“ diffamiert, emigriert Gert über Frankreich zunächst nach England. In London ist sie an dem experimentellen Kurztonfilm Pett and Pot beteiligt. Es ist für lange Zeit ihr letzter Film. 1938 geht sie in die USA. Hier hat sie es schwer, in ihrem bisherigen Beruf zu arbeiten und ist zunächst als Tellerwäscherin tätig. 1941 eröffnet Gert in New York die Beggar Bar, eine Mischung aus Kabarett und Restaurant, die sie jedoch 1945 wegen behördlicher Auflagen wieder schließen muss. Einer ihrer Kellner ist der später als Dramatiker weltberühmt gewordene Tennessee Williams.

1947 kehrt sie nach Europa zurück. Nach Zwischenaufenthalten in Paris und Zürich reist Gert 1949 in das unter Blockade stehende Berlin, wo sie im Folgejahr die „Hexenküche“ eröffnet. 1951 erfolgt die Eröffnung des legendären „Ziegenstalls“ in Kampen auf der Nordseeinsel Sylt. In der skurrilen, mit Heu dekorierten Bar sorgen die Kellner nicht nur für das leibliche Wohl, sondern auch für die Unterhaltung der Gäste. Valeska Gert tritt hier jedoch selbst nicht auf.

1965 holt sie der italienische Filmregisseur Federico Fellini für den Film Julia und die Geister vor die Kamera, in dem sie, mit einer weißen Perücke versehen, die Rolle eines Faktotums übernimmt. Am 28. Juni 1970 erhält sie das Filmband in Gold für ihr langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film. 1976 ist sie in Volker Schlöndorffs Der Fangschuss als Tante Preskovia zu sehen. Schlöndorff dreht anschließend die Dokumentation Nur zum Spaß nur zum Spiel, in dem Gert über ihr Leben erzählt. 1978 erhält sie von Werner Herzog das Angebot, in seiner Neuverfilmung des Murnau-Klassikers Nosferatu den Häusermakler Knock zu spielen. Doch sie stirbt knapp 2 Wochen später, noch vor Beginn der Dreharbeiten.

Obwohl seit 1933 überwiegend außerhalb Berlins lebend, hatte Valeska Gert verfügt, dass ihre sterbliche Hülle in Berlin beerdigt wird. Sie wurde auf dem Friedhof Ruhleben (Am Hain) in (West)-Berlin wunschgemäß in einem "knallroten Sarg" bestattet. Ihr ist ein Stern im Walk of Fame des Kabaretts gewidmet.

Bücher

Valeska Gert: Fragmente einer Avantgardistin in Tanz und Schauspiel der 1920er Jahre

Valeska Gert: Ästhetik der Präsenzen: Inkl. Mein Weg von Valeska Gert

 

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