| Wörtlich lautet das Edikt vom 22.
Februar 1574: Wir Wollen, Setzen und Ordnen, dass alle und jegliche
Wasser mit großen Garnzügen vom Grünen Donnerstag
bis auf Bartholomäi durchaus sollen verschonet werden, damit
die Fischerei nicht zu Schaden komme, weil der Laich und die jungen
Fische zu Unzeiten gebraucht werden. Die Feier war demnach das jährliche
Anfischen.
Da das jährliche Fest auf dem Friedhof (sic!) des Dorfes
stattfand und jedes Jahr in wüstere Saufgelage, Schlägereien
und orgiastische Treiben ausartete, wurde es am 23. August 1873
vom Amtsvorsteher verboten. Ein Augenzeuge von 1791 soll berichtet
haben:
Dann glich die Wiese einem großen ungezügelten Lager.
Glücks- und Schaubuden mit Puppen- und Kasperletheater, Karussells,
Wurst- und Kaffeeküchen waren aufgeschlagen. Für die
Kinder gab es Brillen, Orden und Fähnchen. Erwachsene setzten
sich schwarz gefärbte Brillen auf und liefen mit falschen
langen Nasen und Bärten umher. Vorzugsweise wurde der Kirchhof
mit Beschlag belegt, da der Raum, den die Landzunge von Stralau
sonst bietet, viel zu eng ist. Da lagerte man sich pietätlos
auf den Grabhügeln, zertrat den Schmuck...und hinterließ
das sorglos und liederlich weggeworfene Stullenpapier. Dort fanden
Umzüge mit großen Schiffs- und Binsenbüchsen statt,
wurde Katz und Maus gespielt...
Nach einem Wiederaufleben 1923 wurde er wenige Jahre später
erneut verboten.
Die Entwicklung Stralows wurde maßgeblich durch die Eröffnung
des Bahnhofs Stralow-Rummelsburg (heute Berlin-Ostkreuz) 1871
voran getrieben. Im vorderen Teil der Halbinsel entwickelte sich
ein Vielzahl von Betrieben wie zum Beispiel die Engelhardt-Brauerei
und das Stralauer Glaswerk. Von 1900 bis 1932 fuhr auch eine Straßenbahn
auf Stralau, die sogar durch einen der ersten Unterwassertunnel
Berlins bis nach Treptow führte. Der Tunnel ist heute zugeschüttet;
erhalten blieben nur die Namen Tunnelstraße
auf der Stralauer und Platz am Spreetunnel auf der
Treptower Seite.
Als Amtsbezirk existierte Stralow von 1874 bis 1893; zu ihm gehörte
die Landgemeinde Stralow sowie der Gutsbezirk Boxhagen-Rummelsburg.
Seit 1893 gilt der amtliche Name des Ortes "Stralau".
Bei der Bildung Groß-Berlins 1920 wurde Stralau gemeinsam
mit einigen anderen Orten sowie Ortsteilen zum Berliner Stadtteil
Friedrichshain zusammengelegt.
Nach der Wende schlossen viele der Betriebe, die den vorderen
Teil der Halbinsel prägten. Im Zuge der Bewerbung Berlins
für die Olympischen Spiele war die Halbinsel Stralau für
das Olympische Dorf vorgesehen. Es wurde eine städtische
Entwicklungsgesellschaft gegründet, die eine Vielzahl von
Neubauten plante und baute.
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