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Paul Singer
Paul Singer (* 16. Januar 1844 in Berlin; 31. Januar 1911
ebenda) war ein deutscher Fabrikant, Mitbegründer und Vorsitzender
der SPD und Reichstagsabgeordneter.
Paul Singer wurde als neuntes Kind eines jüdischen Kaufmanns
geboren und besuchte die Realschule in Berlin. Anschließend
absolvierte er eine kaufmännische Lehre in seiner Geburtsstadt.
Bis 1869 arbeitete Singer als Handlungsgehilfe in Berlin. In den
Jahren bis 1887 war er gemeinsam mit seinem Bruder Inhaber einer
gut gehenden Fabrik für Damenmäntel, danach ein wohlhabender
Privatier.
Politisch kam Singer aus der bürgerlichen demokratischen
Bewegung. Er gehörte seit 1862 der Deutschen Fortschrittspartei
an. Im Jahr 1868 kam er in Kontakt mit August Bebel und Wilhelm
Liebknecht. Im selben Jahr wurde er Mitbegründer des Demokratischen
Arbeitervereins und Mitglied des Berliner Arbeitervereins. Ein
Jahr später trat er der SDAP bei. Bis 1878 trat er in der
Öffentlichkeit politisch allerdings nicht mehr in Erscheinung.
Seit dem Erlass des Sozialistengesetzes organisierte Singer Solidaritätsaktionen.
Er gehörte zu denjenigen, die den Kontakt zwischen der Parteiführung
in Deutschland und Karl Marx und Friedrich Engels in London aufrechterhielten.
Nach einer ergebnislosen Hausdurchsuchung wird Singer 1879 unter
ständige Überwachung der politischen Polizei gestellt.
Dennoch wurde er in den folgenden Jahrzehnten zu einem der wichtigsten
Geldgeber für die Partei. So wurde Singer 1879 zum Mitbegründer
der Zeitung Der Sozialdemokrat. Er finanzierte 1884 die Gründung
des Berliner Volksblatts, das nach dem Auslaufen des Sozialistengesetzes
1891 Grundlage für die Wiedergründung des Vorwärts,
des Zentralorgans der SPD, wurde. In den folgenden Jahren war
er finanziell an zahlreichen Vereins- und Verbandsgründungen
aus dem Umfeld der Arbeiterbewegung beteiligt. Trotz antisemitischer
Kampagnen wird Singer 1884 erstmals zum Berliner Stadtverordneten
gewählt. Seit 1887 bis zu seinem Tod war er Vorsitzender
der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion. Dort profilierte
er sich als Verwaltungsfachmann. Ebenfalls seit 1884 bis zu seinem
Tod war er Mitglied des Reichstages. Bereits 1885 war er Mitglied
des Fraktionsvorstandes und seit 1890 Fraktionsvorsitzender.
Trotz seines Mandats wurde Singer 1886 aus Berlin und ein Jahr
später aus Offenbach ausgewiesen. Dies führte zu einer
Protestkundgebung der Anhänger der verbotenen Partei. Bis
zur Rückkehr nach Berlin im Jahr 1890 lebte Singer in Dresden.
Seit 1887 war er Mitglied im Parteivorstand und seit 1890 neben
August Bebel Vorsitzender der SPD. Außerdem leitete er von
1890 bis 1909 mit Ausnahme des Jahres 1901 die jährlichen
sozialdemokratischen Parteitage. Während des Revisionismusstreits
im Jahr 1898 wandte sich Singer zwar gegen die Ideen von Eduard
Bernstein, sprach sich aber gleichzeitig gegen dessen Parteiausschluss
aus. Singer war neben August Bebel und Wilhelm Liebknecht zweifellos
einer der wichtigsten Führer der deutschen Sozialdemokratie
in ihrer Aufstiegsphase.
Neben seiner Tätigkeit für die Arbeiterbewegung, für
deren Partei er als Jude auch eine wichtige Figur im Kampf gegen
den Antisemitismus war, war Singer auch im Bereich der Sozialpolitik,
durch sein Wirken im Berliner Asylverein für Obdachlose und
durch sein Wirken in der jüdischen Gemeinde in Berlin außerordentlich
populär. Seine Beerdigung, zu der fast eine Million Menschen
kamen, wurde zum größten Trauermarsch, den Berlin je
gesehen hat. Er wurde auf dem Sozialistenfriedhof beigesetzt.
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