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Geschichte
17. Juni 1953
Besondere Bedeutung erlangte die Straße beim Volksaufstand
in der DDR am 17. Juni 1953. Die Arbeiter auf den Großbaustellen
der damaligen Stalinallee begannen am 16. Juni mit Streiks gegen
die vom Zentralkomitee der SED angeordnete allgemeine Erhöhung
der Arbeitsnormen. Die Demonstrationen breiteten sich schließlich
in großen Teilen der Stadt aus und setzten sich in der gesamten
DDR fort.
1. Phase: Laubenganghäuser
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Architekt Hans Scharoun ein
Konzept für die völlige Neugestaltung ganz Berlins entwickelt,
den sogenannten Kollektivplan, der eine rigorose Neuaufteilung
und Dezentralisierung der Stadt vorsah, dazu eine lockere Bebauung
mit viel Grün zwischen den einzelnen Wohneinheiten. Im besonders
stark zerstörten Stadtbezirk Friedrichshain,
im sowjetisch verwalteten Ostteil der Stadt sollte der Plan erstmals
großflächig realisiert werden. 1949 baute man einige
Laubenganghäuser, die auf Scharouns Vorstellungen zurückgingen
(Karl-Marx-Allee 102-104 und 126-128). Dann wurde der Kollektivplan
außer Kraft gesetzt, die Ideen, die ihm zugrunde lagen,
galten fortan als elitär und westlich-dekadent. Die Laubenganghäuser
blieben isolierte Objekte in einer völlig anders gearteten
städtebaulichen und architektonischen Umgebung. Maßstab
für das repräsentative Bauvorhaben der Ende 1949 gegründeten
DDR wurde nun die sowjetische Monumentalarchitektur - es entstand
die Stalinallee.
2. Phase: Sozialistischer Klassizismus (Stalin-Stil)
Zur Vorbereitung reiste eigens eine Delegation nach Moskau, Kiew,
Stalingrad (heute Volgograd) und Leningrad (heute St. Petersburg),
um den Städtebau der UdSSR zu untersuchen. Den ersten Preis
bei dem 1951 ausgeschriebenen Gestaltungswettbewerb für die
Allee bekam Egon Hartmann. Obwohl er die städtebaulich beste
Lösung anzubieten schien, wurde dann doch zusammen mit den
anderen vier Gewinnern der Ausschreibung, Richard Paulick, Hanns
Hopp, Karl Souradny und Kurt Leucht der endgültige Bebauungsplan
ausgearbeitet, zu dem auch der Moskauer Architekt Alexander W.
Wlassow und Sergej I. Tschernyschew, der Vizepräsident der
Akademie für Architektur, einen Beitrag leisteten. Die daraus
entstandene Bebauung ähnelt stilistisch der Lomonossow-Universität
in Moskau und dem Kulturpalast in Warschau. Bereits ab 1952 entstand
in unmittelbarer Nähe zur Karl-Marx-Allee das Hochhaus an
der Weberwiese nach Plänen von Hermann Henselmann, das für
die Architektur der Straße stilprägend wurde.
Die monumental breite Straße war ausdrücklich nicht
nur für den städtischen Verkehr, sondern für Aufmärsche
und Paraden vorgesehen und zieht sich kilometerlang schnurgerade
hin, gesäumt von groß dimensionierten Wohnblöcken.
Die Fassaden erhielten - unter dem ideologisch gefärbten
Schlagwort vom Historischen Erbe - einen erheblichen Anteil von
Stilelementen des Berliner Klassizismus, einer Epoche also, die
mehr als 120 Jahre zurücklag; an vielen Stellen finden sich
Zitate antiker Einzelformen, dorische oder ionische Säulen
etwa, Ziergiebel mit Architrav und Fries usw. - Dies alles stand
in scharfem Gegensatz zu einem anderen Großprojekt, das
nahezu zeitgleich in Westberlin begonnen und durchgeführt
wurde: dem Wiederaufbau des ebenfalls weitgehend zerstörten
Hansaviertels. Im Rahmen einer internationalen Bauausstellung
versuchten sich namhafte Architekten an eben jenem Konzept des
lockeren, durchgrünten Städtebaues mit modern gestalteten
Einzelbauten, das so ähnlich auch Scharoun vertreten hatte.
Hier fand nicht nur ein Richtungsstreit von Stadtplanern und Architekten
statt, sondern darüber hinaus ein Wettstreit der politischen
Systeme.
Außer von den Laubenganghäusern wird das Ensemble
der Karl-Marx-Allee unterbrochen durch zwei Blocks von Plattenbauten,
die sich zwischen Andreasstraße und Koppenstraße befinden.
Hier stand auf der einen Seite ursprünglich die monumentale
Sportwettkampfhalle, die für die III. Weltfestspiele der
Jugend und Studenten in nur 148 Tagen 1951 errichtet wurde. Die
kurze Bauzeit sollte sich rächen. 1968 wurde die Halle wegen
Bauschäden gesperrt und 1971 abgerissen. Ihr gegenüber
befand sich das 4 Meter 80 hohe Denkmal Stalins, das am 3. August
1951 enthüllt wurde. Nach der Entstalinisierung wurde das
Denkmal über Nacht im Spätherbst 1961 abgerissen.
Eine weitere Unterbrechung stellt das nahe der Kreuzung zur Warschauer
Straße gelegene Kino Kosmos dar. Es wurde nach Plänen
des Architekten Josef Kaiser 1961/62 erbaut und liegt inmitten
einer Grünanlage. Mit 1.001 Plätzen war es das größte
Filmtheater Ostberlins. Von 1998 bis Ende Juli 2005 befand sich
hier ein von der Ufa betriebenes Multiplex-Kino für 3.400
Zuschauer, nun soll das Gebäude als Diskothek weitergeführt
werden.
3. Phase: Plattenbauten
Entgegen den ursprünglichen Plänen wurde die Straße
nicht bis hin zum Alexanderplatz einheitlich bebaut. Ein wesentlicher
Grund hierfür waren die hohen Baukosten der repräsentativen
Arbeiterpaläste. Ab dem Strausberger Platz bis hin zum Alexanderplatz
wurden deshalb im Gegensatz zum prachtvollen Zuckerbäckerstil
schlichte große Plattenbauten errichtet, die großzügig
aufgestellt sind, mit weiten Grünflächen zur Straße
und zwischen den Blöcken. Die markantesten Bauwerke dieses
Ensembles sind das Café Moskau und das Kino International.
Mittlerweile wohnen dort auch bekannte DJs wie Karsten Sawade
und andere Kiezgrößen.
Nach der Wiedervereinigung
Die Wohnbauten entlang der Karl-Marx-Allee wurden nach der Wiedervereinigung
an unterschiedliche Investoren verkauft und meist aufwändig
saniert. Heute erfreuen sich die Wohnungen großer Beliebtheit
und bilden nach außen ein harmonisches Bild, das am Frankfurter
Tor mit zwei Kuppeltürmen seinen Abschluss findet. Das Gesamtbild
der Straße wird gestört durch die meist maroden, oft
schon demontierten Straßenlaternen. Eine schrittweise Sanierung
der zum Kulturdenkmal gehörenden Leuchten ist voraussichtlich
ab 2006 geplant. Eine Rückbenennung in Große Frankfurter
Straße wird seit 1990 diskutiert.
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