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Geschichte der Stadt Glatz
Die Geschichte der Stadt Glatz und ihrer politischen und kirchlichen
Zugehörigkeit ist eng verbunden mit der Geschichte der Grafschaft
Glatz.
Glatz wird erstmalig 981 bei dem böhmischen Chronisten Cosmas
von Prag als castellum Kladsko erwähnt. Auf dem für
Verteidigungszwecke gut geeigneten felsigen Hügel am linken
Neißeufer errichtete der Böhmenfürst Slavnik,
Vater des Heiligen Adalbert, eine gegen Polen gerichtete hölzerne
Burg. Diese Burg und der dazugehörige tschechische Marktflecken
Kladsko wurden im Streit zwischen Böhmen und Polen mehrmals
belagert und zerstört. Nachdem Glatz 1114 kurzfristig an
Polen geriet, ließ Sobeslav von Böhmen 1129 die Burg
noch stärker befestigen, um die wichtige Straße PragNachodGlatzBreslau
zu sichern. Mit dem 1137 abgeschlossenen Pfingstfrieden von Glatz
wurden die Streitigkeiten beendet und die Zugehörigkeit zu
Böhmen festgelegt.
Im 12./13. Jahrhundert wurde Glatz durch deutsche Siedler, die
vom böhmischen König Ottokar II. Premysl ins Land gerufen
wurden, Mittelpunkt des bedeutenden und aufstrebenden Glatzer
Landes. Unterhalb des Burgberges wurde eine ummauerte Stadt angelegt,
die bereits 1114 als urbs (Stadt) bezeichnet wird. Die Marienkapelle
auf dem Schlossberg ist für 1194, das Hospital der Johanniter
für 1183 und die nordwestlich der Burg gelegene Wenzelskirche
für 1184 urkundlich belegt. Die deutsche Namensform Glatz
wird erstmals für das Jahr 1223 nachgewiesen. 1275 war Glatz
eine Stadt nach Magdeburger Recht. 1334 erwarb die Stadt die städtische
Vogtei und damit eine eigene Gerichtsbarkeit.
Schon im 14. Jahrhundert war die Handwerkerschaft im Rat der
Stadt vertreten. Von Bedeutung waren um diese Zeit die Tuchmacherei,
die Leinweberei, verschiedene weitere Handwerke, die Bierproduktion
und der Handel. Ihre herausragende Stellung zeigt sich darin,
dass ihr bis ins 15. Jahrhundert alle anderen Städte des
Glatzer Landes hinsichtlich der Abgaben und Dienstleistungen unterstellt
waren.
In den Hussitenkriegen konnte sich Glatz verteidigen und blieb
von Zerstörungen weitgehend verschont. Nachdem 1454 der böhmische
König Georg von Podiebrad das Glatzer Land erworben und es
1459 zur Grafschaft erhoben hatte, wurde Glatz Hauptstadt der
gleichnamigen Grafschaft. Sein Sohn, Herzog Heinrich der Ältere
von Münsterberg, erster regierender Graf von Glatz, verlegte
seinen Wohnsitz in die Stadt Glatz und baute die Burg zu einem
Schloss um.
Während der Reformation war Glatz ein Zentrum der Lehre
Schwenckfelds und anderer Sekten. Im 16. Jahrhundert hob der böhmische
König Ferdinand I. den Rechtszug nach Magdeburg auf und machte
Prag zum Oberhof für die Glatzer Städte.
Nachdem der Rat der Stadt Glatz die Wahl des Winterkönigs
Friedrich von der Pfalz anerkannt und auch nach der Schlacht am
Weißen Berge zu ihm gehalten hatte, wurde die Stadt 1622
von den kaiserlichen Truppen besetzt. Es folgten Strafmaßnahmen
gegen die Anführer und der Entzug von Privilegien. Während
des Dreißigjährigen Krieges wurden 930 der damals 1300
Gebäude zerstört. Zu den Verwüstungen kam 1635
eine Pestepidemie, der 4000 Einwohner zum Opfer fielen, so dass
die Stadt weitgehend entvölkert war. Auch 1680 wütete
eine Pestepidemie, die 1500 Tote zur Folge hatte.
Während der Schlesischen Kriege wurde Glatz mehrmals belagert
und erobert und fiel 1742 und endgültig nach dem Hubertusburger
Frieden 1763 an das Königreich Preußen. Von den Kriegszerstörungen
erholte sich die Stadt trotz der wirtschaftlichen Maßnahmen
Friedrichs des Großen nur langsam, war jedoch Ende
des 18. Jahrhunderts ein wichtiges Handwerks- und Handelszentrum.
In den Napoleonischen Kriegen konnte Glatz durch Friedrich Wilhelm
Graf von Götzen verteidigt werden und blieb unbesetzt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl
durch neu erschlossene Baugebiete deutlich an. Gleichzeitig verlor
die Festung ihre militärische Bedeutung und wurde als Gefängnis
für politische Gefangene genutzt. Glatz blieb jedoch Garnisonsstadt.
Die Verkehrserschließung durch die Eisenbahn (1874 nach
Breslau, 1875 nach Mittelwalde, 1880 nach Waldenburg, 1890 nach
Rückers, 1902 nach Bad Reinerz und 1905 nach Bad Kudowa)
hatte einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge.
Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Glatz 1945 wie ganz
Schlesien an Polen und wurde in Klodzko umbenannt. Die
deutsche Bevölkerung wurde vertrieben. Die neuen Bewohner
waren ihrerseits zum großen Teil Heimatvertriebene aus Ostpolen,
das an die Sowjetunion abgetreten werden musste.
Wirtschaftliche Schwerpunkte sind heute Handel, Metallindustrie
und der Dienstleistungssektor.
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