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Lovis Corinth
Lovis Corinth (* 21. Juli 1858 in Tapiau, Ostpreußen;
17. Juli 1925, Zandvoort, Niederlande; eigentlich Franz Heinrich
Louis Corinth) war ein deutscher Maler. Neben Max Liebermann und
Max Slevogt zählt er zu den wichtigsten und einflussreichsten
Vertretern des deutschen Impressionismus, wobei vor allem seine
späten Werke allerdings häufig als eine Synthese aus
impressionistischem und expressionistischem Schaffen angesehen
werden.
Biografie
Frühe Jahre und Ausbildung
Der spätere Maler Lovis Corinth wurde am 21. Juli 1858 als
Franz Heinrich Louis Corinth im ostpreußischen Tapiau, dem
heutigen Gwardejsk im russischen Oblast Kaliningrad, geboren.
Seine Eltern, Heinrich und Wilhelmine Corinth, betrieben eine
Gerberei sowie einen größeren landwirtschaftlichen
Betrieb. Er war das einzige gemeinsame Kind der beiden, hatte
jedoch mütterlicherseits fünf Halbgeschwister, mit denen
er aufwuchs.
Von 1866 bis 1873 ging Louis auf das Kneiphöfische Gymnasium
in Königsberg, dem heutigen Kaliningrad. Während dieser
Zeit lebte er bei seiner Tante in Königsberg. Mit dem Anbruch
des Deutsch-Französischen Krieges 1870 zogen zudem Soldaten
in die Wohnung seiner Tante ein. Als 1873 seine Mutter verstarb,
ging Corinth zurück auf den Hof seiner Eltern, wenig später
erwuchs in ihm der Wunsch, Maler zu werden. Er selbst beschrieb
dies in seiner Selbstbiografie als einen von vielen Wünschen,
die regelmäßig wechselten:
Es fiel gerade Ostern mein Lebensberuf auf den Maler,
denn fast jeden Monat hatte ich eine andere Leidenschaft, mein
Leben einzurichten: Soldat, Matrose, vor allem Landwirt wechselten
in buntem Reigen und heute wollte es das Schicksal, daß
ich Maler werden wollte. Bei diesem Berufe verharrte ich nun treu
und niemals wollte ich es bereuen.
Wenig später verkaufte sein Vater das Anwesen in Tapiau
und zog mit seinem Sohn nach Königsberg, um ihm dort eine
Malerausbildung zukommen zu lassen. Corinth ging an die Akademie
und lernte als Schüler von Otto Günther vor allem die
Grundlagen der Malerei sowie die konservative Historienmalerei
kennen. Gemeinsam mit Günther und dessen weiteren Schülern
reiste Corinth nach Berlin und Thüringen und besuchte dort
die Ateliers von Albert Brendel, der zu diesem Zeitpunkt Direktor
der Weimarer Kunstschule war, sowie Friedrich Preller und Karl
Buchholz. Seine eigenen Arbeiten konzentrierten sich auf Porträts
und Landschaftsbilder.
München, Antwerpen, Paris
1880 ging Corinth auf Empfehlung seines Lehrers Günther
an die Kunstakademie nach München, die zu der Zeit als bedeutendstes
Zentrum für Malerei neben Paris galt und mit der Kulturszene
dieser Stadt im engen Austausch stand. Louis Corinth besuchte
zuerst die Klasse von Franz von Defregger und wechselte dann zu
Ludwig Löfftz, einem ehemaligen Schüler von Wilhelm
Diez. Zu seinen Mitschülern gehörten unter anderen auch
Hans Olde und Bernt Grönvold, mit denen Corinth auch noch
Jahre später Kontakt hatte. Corinth schloss sich der Strömung
des Naturalismus an, der sich zu dieser Zeit gegen die klassische
Historienmalerei durchzusetzen begann. Auch die Aktmalerei spielte
eine große Rolle in seiner Ausbildung; 1883 entstand auf
diese Weise sein Gemälde Schächer am Kreuz, bei dessen
Konzeption neben dem Einfluss seines Lehrers Löfftz auch
der des ehemaligen Löfftz-Schülers Karl Stauffer-Bern
zu erkennen ist. Ein weiterer wichtiger Lehrer in München
wurde für Corinth Wilhelm Trübner, für den er 1920
auch einen Nachruf verfasste.[2]
Zwischen 1882 und 1883 unterbrach er das Studium und leistete
seinen Militärdienst ab, danach begab er sich mit seinem
Vater auf eine Reise, die vor allem nach Italien und an den Gardasee
führte. Anschließend nahm er das Studium erneut auf.
Im Jahr 1884 ging Corinth für drei Monate nach Antwerpen
und studierte dort bei Paul Eugène Gorge. Im gleichen Jahr
konnte er mit seinem Gemälde Das Komplott seinen ersten internationalen
Erfolg verbuchen: Das Bild wurde auf einer Ausstellung in London
mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet. Im Atelier von Gorge entstand
das Gemälde Neger Othello, eine Porträtdarstellung eines
schwarzen Mannes, das bis heute zu seinen bekanntesten Bildern
gehört. Im Oktober des Jahres reiste er weiter nach Paris
und trat dort in die Privatakademie Académie Julian ein.
Er lernte bei Tony Robert-Fleury und Adolphe William Bouguereau,
die ihm vor allem die Praxis der Aktmalerei von Frauen
peintre de la femme näher brachten. Sie beeinflussten
damit sehr deutlich sein weiteres Schaffen, vor allem die Gestaltung
seiner Frauenbildnisse der nächsten Jahre. Er selbst war
in Paris allerdings wenig erfolgreich und kehrte nach dem Aufenthalt
mit etwa 20 großformatigen Bildern zurück, vornehmlich
Aktdarstellungen. Obwohl zur gleichen Zeit auch moderne und prominente
Impressionisten in Paris weilten und Bilder wenige Jahre vorher
verstorbener Meister wie Gustave Courbet oder Édouard Manet
in Paris zu sehen waren, bekam er von diesen nichts mit. Inspirationen
fand er dagegen in Ausstellungen von Jean-Louis-Ernest Meissonier,
Wilhelm Leibl und vor allem durch eine Retrospektive von Jules
Bastien-Lepage.
Im Sommer 1886 reiste Corinth gemeinsam mit Hans Olde an die
Ostseeküste, um hier Landschaftsimpressionen und Porträts
zu malen, 1887 kehrte er zurück nach Königsberg und
porträtierte seinen Vater und hat mit der Ausstellung
dieses Bildes in der Königsberger Akademie wiederum keinen
Erfolg.
1887 zog Louis Corinth nach Berlin und verbrachte hier einen
Winter, in dem er unter anderen Max Klinger, Walter Leistikow
und Karl Stauffer-Bern kennen lernte. In Berlin entstand wahrscheinlich
auch sein erstes Selbstbildnis, dem im Laufe seines Lebens noch
etliche folgen sollten. Im darauf folgenden Jahr kehrte er jedoch
wieder zurück zu seinem mittlerweile schwerkranken Vater
nach Königsberg und porträtierte selbigen dort noch
mehrmals, bevor dieser am 10. Januar 1889 starb.
München 1891 bis 1900
1890 wurde das Gemälde Pietà (Kreuzabnahme), das
er beim Pariser Salon eingereicht hatte, mit einer Auszeichnung
geehrt. In seiner Arbeit bestätigt, entschloss sich Corinth
1891 wieder nach München zurückzukehren. Hier suchte
er sich eine Wohnung in Schwabing. Den Ausblick aus seinem Atelierfenster
hielt er im gleichen Jahr in mehreren Gemälden fest, mit
denen er sich, ebenso wie mit Waldinneres bei Bernried, mit dem
zu dieser Zeit in München aktuellen Pleinairismus beschäftigte
die Künstler verließen ihr Atelier und fingen
Motive unter freiem Himmel ein. Dieser wurde in Deutschland
vor allem durch Künstler wie Arnold Böcklin, Max Klinger
und Hans Thoma transportiert, die in München zu den populärsten
Gestalten der Kunstszene gehörten. Als Münchner Malerfürsten
galten Friedrich August von Kaulbach, Franz von Lenbach sowie
Franz von Stuck. Neben den benannten Bildern war das Hauptwerk
Corinths in dem Jahr der Diogenes, eine Darstellung des Diogenes
von Sinope im Großformat. Die Ausstellung des Bildes im
Münchner Glaspalast wurde allerdings nicht mit dem erhofften
Erfolg quittiert, sondern erntete massive Kritik, die Corinth
an seinem Schaffen zweifeln ließ. Von seinem Freund Otto
Eckmann ließ er sich die Kunst des Radierens beibringen
und bis 1894 erschien sein Radierzyklus Tragikomödien, in
dem er auf den Jugendstil auf der einen und das Werk Max Klingers
auf der anderen Seite Bezug nahm.
Ab 1892 entstand eine Reihe von Gemälden, die Schlachthausszenen
wiedergeben und damit die Kritiker wieder überzeugen konnten.
Die Bilder waren realistisch dargestellt und provozierten durch
ihr Motiv. Corinth hatte Anschluss gefunden an die Revolutionäre
der Münchner Kunstszene, die nicht im etablierten Glaspalast
ausstellten, sondern sich in der Allotria trafen. 1892 gründete
sich aus dieser Vereinigung die Münchner Sezession, der sich
neben Corinth auch Max Liebermann, Otto Eckmann, Thomas Theodor
Heine, Hans Olde, Hans Thoma, Wilhelm Trübner, Franz von
Stuck und Fritz von Uhde anschlossen. 1893 wollte Corinth gemeinsam
mit Eckmann, Trübner, Heine, Max Slevogt, Karl Strathmann,
Hermann Obrist und Peter Behrens die Freie Vereinigung gründen,
um die Ausstellungssituation zu verbessern. Daraufhin kam es zum
Streit in der Secession, die Gründung scheiterte und die
Beteiligten wurden von der Münchner Secession ausgeschlossen.
Als Münchner 24 fanden sie in der Galerie Schulte in Berlin
eine Ausstellungsmöglichkeit.
1895 malte Lovis Corinth mit seiner Kreuzabnahme das erste Bild,
dass er tatsächlich verkaufen konnte. Es wurde noch im selben
Jahr im Glaspalast ausgestellt und erhielt hier eine Goldmedaille
als Auszeichnung. Zwischen 1895 und 1900 stellte er hier eine
Reihe weiterer Gemälde aus, die jedoch kein größeres
Aufsehen erregen konnten. Über einen Freund kam Corinth um
1895/96 in Kontakt mit der Münchner Literatengruppe Die Nebenregierung,
der unter anderen die Schriftsteller Max Halbe, Graf Eduard von
Keyserling, Frank Wedekind und Otto-Erich Hartleben angehörten.
1896 gehörte er zudem zu den Gründungsmitgliedern der
Freimaurerloge In Treue fest, die bis heute besteht und der er
1898 das Gemälde Die Logenbrüder malt, auf der zwölf
Mitglieder seiner Loge abgebildet sind. In den Folgejahren entstanden
eine Reihe seiner erfolgreichsten und bis heute bekanntesten Gemälde.
So schuf er 1896 sein Selbstporträt mit einem Skelett, 1897
das Gemälde Die Hexen sowie Die Verführung des heiligen
Antonius. Nach einem Umzug innerhalb Münchens malte er 1900
die Salome, in das er selbst große Hoffnungen legte
und das für eine Ausstellung der Münchner Secession
abgelehnt wurde. Durch diesen Misserfolg bekräftigt, entschied
sich Corinth, München zu verlassen und nach Berlin zu gehen.
Dort hatte er weiterhin Kontakt zu Walter Leistikow, der in der
Zwischenzeit mit Max Liebermann und Paul Cassirer die Berliner
Secession gegründet hatte. Salome wurde in Berlin durch die
2. Secessionsausstellung im Juli 1900 ein Erfolg und Corinth wurde
nach eigenen Worten in Berlin eine Kapazität.
Auch seine Bilder Susanna und die beiden Alten sowie die Kreuzigung
wurden auf dieser Ausstellung gezeigt und durch Leistikow erhielt
Corinth seine ersten Porträtaufträge in Berlin.
Berliner Jahre
Im Herbst 1901 zog Lovis Corinth nach Berlin und wurde Mitglied
der Berliner Secession. Im gleichen Jahr wurde das Gemälde
Perseus und Andromeda auf der Secessionsausstellung bei Paul Cassirer
gezeigt neben Gemälden der mittlerweile verstorbenen
Künstler Vincent van Gogh, Wilhelm Leibl und Arnold Böcklin.
Das Atelier in der Klopstockstraße bekam Corinth wieder
von Leistikow und am 14. Oktober 1901 eröffnete Corinth eine
Malschule. Seine erste Schülerin war die damals 21 Jahre
alte Charlotte Berend, die ihm seitdem regelmäßig Modell
stand. Weitere Schüler war z.B. Erich Lasse. Die Malschule
wurde zu einem finanziellen Erfolg und auch seine Bilder wurden
bekannter.
Bereits im Dezember veranstaltete Paul Cassirer eine Ausstellung,
die sich ausschließlich Lovis Corinth widmete und ein Jahr
später wurde Corinth in den Vorstand der Secession gewählt.
Das Porträt des Dichters Peter Hille wurde als Bestandteil
der Secessionsausstellung 1902 gemeinsam mit weiteren Bildern
Corinths präsentiert: Samuels Fluch auf Saul, Die Grazien
und das Selbstporträt mit Modell. Neben seinen Werken wurden
auch Bilder von Édouard Manet und Edvard Munch auf dieser
Ausstellung ausgestellt und das Hille-Porträt wurde 1908
von der Kunsthalle Bremen gekauft.
Am 26. März 1903 heirateten Lovis Corinth und Charlotte
Berend, wobei sie sich für den Doppelnamen Berend-Corinth
entschied. Am 13. Oktober des Jahres kam ihr gemeinsamer Sohn
Thomas Corinth auf die Welt und die Familie zog in die Händelstraße
um. Die Tochter Wilhelmine Corinth folgte sechs Jahre später
am 13. Juni 1909.
In der Jahresausstellung 1903 präsentierte Corinth vor allem
das Mädchen mit dem Stier und Odysseus Kampf mit dem Bettler,
1904 folgten Tiny Senders und die Grablegung. Im gleichen Jahr
zeigte Cassirer in seiner Galerie eine Ausstellung des Franzosen
Paul Cézanne, die Corinth stark beeinflusste. 1906 begann
Corinth dann mit seinem ersten größeren literarischen
Werk seiner Selbstbiographie, die er bis zu seinem Tod
1925 weiterschrieb und die 1926 posthum von seiner Frau veröffentlicht
wurde. Im gleichen Jahr produzierte er eine Reihe sehr bekannter
und Aufsehen erregender Gemälde, darunter die Kreuzabnahme,
Jugend des Zeus, Nach dem Bade sowie Rudolf Rittner als Florian
Geyer. 1907 folgten Die Gefangennahme Simsons, Das große
Martyrium, das Selbstporträt mit Glas sowie der vielbesprochene
Liegende Akt.
Im Jahr 1908 erschienen zwei Schriftwerke von Corinth - zum einen
die Legenden aus dem Künstlerleben, wie die bereits erwähnte
Selbstbiographie ein autobiografisches Werk, und das Buch Das
Erlernen der Malerei, ein Lehrbuch, in dem er dem Leser die Kunst
der Malerei näher bringen wollte und ihn mit den Techniken
vertraut machte. Auch sein künstlerisches Oeuvre des Jahres
war beachtenswert: Susanna im Bade, Orpheus und das Porträt
des Malers Walter Leistikow. Letzterer verstarb in dem Jahr und
neben dem Bild widmete ihm Corinth auch ein Buch unter dem Titel
Das Leben des Malers Leistikow, das 1910 bei Cassirer erschien.
1910 konnte Corinth wieder einige seiner Bilder in der mittlerweile
etablierten Secessionsausstellung unterbringen. In diesem Jahr
präsentierte er Die Waffen des Mars, Fußwaschung und
vor allem das Familienporträt Der Künstler und seine
Familie, auf dem er seine gesamte Familie abbildete. Corinth gehörte
zu diesem Zeitpunkt neben Max Liebermann zu den beliebtesten und
gefragtesten Künstlern der Berliner Secession und konnte
im gleichen Jahr mehrere Bilder an die Hamburger Kunsthalle verkaufen.
Im Jahr 1911 trat Max Liebermann als Präsident der Berliner
Secession gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern Max Slevogt,
Paul Cassirer und weiteren vom Vorsitz zurück, während
Lovis Corinth zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde. Im gleichen
Jahr veranstaltete die Secession eine Ausstellung zur Ehrung des
verstorbenen Mitglieds Fritz von Uhde, in der Frühjahrsausstellung
wurden zudem Werke von Pablo Picasso und Ferdinand Hodler gezeigt.
Corinth präsentierte auf dieser Ausstellung seine Gemälde
Nana und zwei Porträts von Ferdinand Meyer. Im Dezember des
Jahres erlitt er einen Schlaganfall, der zu einer halbseitigen
Lähmung führte. Das Frühjahr 1912 verbrachte er
mit seiner Frau an der Riviera, um sich zu erholen und im Sommer
malte er Der geblendete Simson. Im Dezember des Jahres wurde Paul
Cassirer wieder in den Vorstand der Secession gewählt - Corinth
trat daraufhin zurück und lehnte einen Posten in Vorstand
oder Jury ab.
1913 erschien die erste Monographie über den Künstler
Lovis Corinth, geschrieben von Georg Biermann. Als Versöhnungsakt
mit Corinth veranstaltete Paul Cassirer in dem Jahr eine große
Retrospektive mit den Werken Corinths, die von Max Liebermann
eröffnet wurde. Insgesamt präsentierte Corinth auf dieser
Ausstellung 228 Ölgemälde. Neben dieser Ausstellung
konnten Corinths Gemälde im selben Jahr auch bei der Großen
Kunstausstellung Düsseldorf 1913 in Mannheim und der Weltausstellung
in Gent sowie in verschiedenen Galerien und Museen in Baden-Baden,
München und Dresden betrachtet werden. Auch auf der Frühjahrsausstellung
der Berliner Secession, die in diesem Jahr ihr 15jähriges
Bestehen beging, waren mit Ariadne auf Naxos und Orientalischer
Teppichhändler Bilder von Corinth zu sehen. In derselben
Ausstellung wurde zudem erstmalig der Maler Henri Matisse gezeigt,
neben vielen weiteren bedeutenden Künstlern, die die ersten
15 Jahre der Secession begleitet hatten. Diese Ausstellung, ebenso
wie die im Herbst 1913 durchgeführte Herbstausstellung mit
Bildern von Edvard Munch, Pablo Picasso, Ernst Ludwig Kirchner
und anderen, war sehr erfolgreich. Die Erfolge der Secession und
der Ausstellungen Cassirers konnten jedoch nicht über die
internen Streitigkeiten hinwegtäuschen: Im gleichen Jahr
kam es zu massiven Vorwürfen gegen Cassirer in seiner Doppelfunktion
als Jurymitglied der Secession und als Kunstverkäufer, die
zum Austritt von 42 Künstlern inklusive Max Liebermann und
dem gesamten Vorstand aus der Secession führte und darin
ihren Höhepunkt hatte. Lovis Corinth blieb in der nun als
Freie Secession bekannten Vereinigung und war der einzige Künstler
mit internationalem Ruhm.
Im Jahr 1914 bereiste Corinth Monte Carlo und Rom, dort vor allem
den Vatikan, um sich die Fresken von Raffael anzuschauen. Danach
ging seine Reise weiter nach St. Moritz, wurde dort jedoch aufgrund
des beginnenden Ersten Weltkrieges abgebrochen. Als am 1. August
dann tatsächlich der Krieg begann, gehörte Corinth neben
Slevogt, Liebermann und Ernst Barlach zu den prominenten Künstlern,
die dieses begrüßten. Corinth, der sich bereits in
seinem Vortrag Über das Wesen der Malerei im
Januar 1914 vor der Freien Studentenschaft der Berliner Universität
patriotisch geäußert hatte, sah in dem Krieg die Chance
eines Neubeginns, in dem die deutsche Kunst zeigen konnte, dass
sie die international bedeutsamste sei:
Wir wollen der Welt zeigen, daß heute deutsche
Kunst an der Spitze der Welt marschiert. Fort mit der gallisch-slawischen
Nachäfferei unserer letzten Malerperiode!
1915 wurde Corinth erneut Vorsitzender der Berliner Secession
und konzipierte eine Ausstellung, in der vor allem auf die alten
Werte der deutschen Malerei Wert gelegt werden sollte. Er selbst
stellte hierfür mehrere Stillleben und Porträts sowie
die Gemälde Joseph und Potiphars Weib zur Verfügung.
In den Folgejahren konzentrierte sich Corinth vermehrt auf den
Krieg und verarbeitete dieses auch in seinen Bildern. So entstanden
1917 Kain sowie das Porträt des Großadmirals Alfred
von Tirpitz. Im gleichen Jahr veröffentlichte der Autor Karl
Schwarz mit dem Buch Das graphische Werk des Lovis Corinth eine
erste umfassende Darstellung der Zeichnungen und Grafiken Corinths.
Im August reiste Corinth in seine Heimatstadt Tapiau, die ihn
zum Ehrenbürger machte und von ihm mehrere Werke geschenkt
bekam.
Im März 1918 veranstaltete die Berliner Secession eine Ausstellung
zum 60. Geburtstags Corinths, auf der 140 Ölgemälde
von ihm gezeigt wurden, außerdem war er auch in der Frühjahrsausstellung
wieder mit mehreren Werken vertreten. Zur gleichen Zeit begann
auch die Berliner Nationalgalerie damit, eine systematische Sammlung
seiner Bilder aufzubauen, die nach dem Krieg in der Neuen Abteilung
im Kronprinzenpalais gezeigt wurden. Von der Berliner Akademie
der Künste bekam er zudem den Professorentitel verliehen.
Im gleichen Jahr ging der Krieg zu Ende, das Kaiserreich brach
zusammen und wurde durch die Revolution und die nachfolgende Weimarer
Republik abgelöst. Corinth sah sich dadurch in seinem Glauben
an die deutsche Malerei erschüttert:
So ist der Hohenzollernstaat mit Stumpf und Stiel einstweilen
ausgerottet. Ich fühle mich als Preuße und kaiserlicher
Deutscher.
Spätes Werk am Walchensee
Im Jahr 1919 kaufte Lovis Corinth ein Haus in Urfeld am Walchensee,
das vor allem seine Frau Charlotte ausbaute. Er benannte das Haus
mit dem Spitznamen für seine Frau Haus Petermann. Das Haus
am Walchensee wurde zum Rückzugsort des Künstlers, an
dem er vor allem Landschaftsbilder, Porträts und Stillleben
produzierte, sich von der aktiven Kunstszene allerdings auch immer
mehr zurückzog. Seine Bilder vom Walchensee wurden ein großer
Erfolg, auch wirtschaftlich. Nach seinen eigenen Worten wurde
niemals mehr verkauft als gerade nach dem Zusammenbruch.
Es wurden einem förmlich die Bilder von der Staffelei gerissen,
und niemals blühten die Ausstellungen im ganzen Deutschland
mehr denn jetzt. Im gleichen Jahr erschien die Radierungsmappe
Antike Legenden, 1920 folgte mit Gesammelte Schriften eine Zusammenstellung
mit Corinths wichtigsten Zeitschriftenbeiträgen und Aufsätzen.
Am 15. März wurde Lovis Corinth die Ehrendoktorwürde
der Albertus-Universität in Königsberg verliehen, er
selbst vollendete bis zu seinem Tod 1925 seine Selbstbiographie
und malte Bilder wie Der rote Christus, das sehr deutlich die
Brutalität der Kreuzigung darstellt, sowie Flora und die
letzte Version von Susanna und die Alten. Außerdem entstanden
Porträts aus dem Gedächtnis Corinths von verschiedenen
Kollegen des Malers, darunter etwa Bernt Grönvolt, Leonid
Pasternak und Georg Brandes. Weitere wichtige Werke seines Spätwerkes
wurden Das trojanische Pferd, Carmencita und die Porträts
seiner Kinder Thomas und Wilhelmine.
Zu seinem 65. Geburtstag 1923 veranstaltete die Nationalgalerie
eine Ausstellung mit 170 Gemälden, die sich in Privatbesitz
befanden. Weitere Ausstellungen mit Werken seines Spätwerkes
folgten mit der Secessionsausstellung in Berlin und den großen
Corinth-Ausstellungen im Kunsthaus Zürich und in Königsberg
1924. Im gleichen Jahr porträtierte er den Reichspräsidenten
Friedrich Ebert, in dem er nach eigenem Bekunden weniger den Sozialdemokraten
sah sondern vielmehr den aktuellen Regenten Deutschlands und dem
er außerdem einen guten Charakter bescheinigte.
1925 wurde Corinth Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der
Künste und in Berlin wurden seine Aquarellmalereien ausgestellt.
Sein letztes großes Werk sollte der Ecce Homo werden, den
er beendete, bevor er am 16. Juni 1925 zu einer Reise nach Düsseldorf
und von dort nach Amsterdam antrat, um sich dort nochmals die
Bilder von Frans Hals und Rembrandt anschauen zu können.
Am 17. Juli verstarb er in Zandvoort nahe Amsterdam an einer Lungenentzündung,
seine Leiche wurde nach Berlin überführt und hier auf
dem Waldfriedhof Stahnsdorf beigesetzt. Postum erschien eine wichtige
Monographie von Alfred Kuhns und in Berlin fanden mit der Ausstellung
der Gemälde und Aquarelle in der Nationalgalerie sowie der
Graphikausstellung der Akademie der Künste 1926 zwei wichtige
Gedenkausstellungen statt.
Corinths Werke zur Zeit des Nationalsozialismus
Obwohl Corinth zu Lebzeiten ein bedeutender und angesehener Vertreter
deutscher Kunst war und diese auch in sehr patriotischer Weise
darstellte und förderte, wurden viele seiner Werke zur Zeit
des Nationalsozialismus in Deutschland sehr kritisch gesehen.
Während das impressionistische Frühwerk durchaus den
Idealvorstellungen der Nationalsozialisten entsprach, wurden die
späteren, teilweise sehr expressionistischen Werke als "entartet"
betrachtet. Diese Wandlung im Werk des Künstlers interpretierte
man als Folge seines Schlaganfalls 1911 und eine weitere Steigerung
nach 1918 wurde mit einem zweiten, nie stattgefundenen, Schlaganfall
erklärt.
Im Zuge der Reinigung wurden insgesamt 295 seiner
Bilder beschlagnahmt, darunter ein großer Teil der Sammlung
der Nationalgalerie sowie der Hamburger Kunsthalle. Einige der
Werke wurden im gleichen Jahr in der Ausstellung Entartete
Kunst in München gezeigt. Die meisten der Bilder wurden
anschließend ins Ausland, vor allem in die Schweiz, verkauft.
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